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Kirchenregion Neubrandenburg

Amtshaus Broda

850 Jahre Kloster zu Broda

Die Stiftung des Klosters zu Broda am 18. August 1170 ist Anlass für die umliegenden Ortschaften, die urkundliche Ersterwähnung vor 850 Jahren zu feiern. Dazu gehören Chemnitz, Weitin, Wulkenzin, Passentin und Woggersin. Diese Orte sind genannt, und auch wenn die näheren Umstände nachweisbarer Bebauung des Klosters zu Broda erst um 1240 vermutet werden, existierten wohl die erwähnten zugestifteten Dörfer schon längere Zeit zuvor. Siedlungsgeschichtlich ist das Gebiet westlich des Tollensesees ein Abenteuerraum, der die Historiker durchaus zur Zurückhaltung mahnt.

Gehen wir also einen etwas anderen Weg. Fritz Reuter war 5 Jahre nach dem Tod seines Vaters in Altentreptow in der Oberbaustraße angekommen und lebte ganz gut als Portraitmaler. Seinem Umzug nach Neubrandenburg korrespondierten längere Aufenthalte in Stolpe an der Peene, da Fritz Peters aus Thalberg dort als Pächter des Gutes wirkte. 1853, also 700 Jahre nach der dortigen Klostergründung, logiert Fritz Reuter und sitzt oft im  Fährkrug und lässt sich so bei längeren Aufenthalten zu seiner „Urgeschicht von Meckelnborg“ inspirieren. In zwei Sätzen zusammengefasst ist die Geschichte schon phantastisch.
Reuter nimmt die Menschen und Zustände seiner Zeit satirisch aufs Korn. Freundlich-ironisch beginnt er schon in der Einleitung: Der Erzähler und der Inspektor Knitschky beschließen Anno Domini 1860 „tau Kloster Stolp“, über das Frühkohlbeet der Mamsell herzufallen, um in ein unterirdisches Gewölbe zu gelangen. Vom Kloster bis nach Wolfradtshof vermuten sie in wissenschaftlicher Mission unterwegs einen unterirdischen Gang unter der Peene entlang. Und sie warten die Abwesenheit der Mamsell Caroline Neukirch ab, denn freiwillig würde sie wohl ihr Beet nicht der Wissenschaft opfern.
Fritz Reuter lässt den Inspektor da auch in irgendeinen Keller fallen, aber heute folgt der Linie dieses freilich damals nur erdichteten unterirdischen Ganges die Gasleitung Nordstream mit 1,40 m Durchmesser. Tatsächlich. Und Nordstream transportiert dann ziemlich real verdichtetes Gas, das mit 90 bar diese Trasse zur Gasversorgung nutzt.
Warum also spielt „De Urgeschicht von Meckelnborg“ nun aber an der Peene? Broda hat damit zu tun.  Immerhin, an die Geschichte des erschlagenen Pommernherzogs Wartislaw im Grüttower Grund erinnert noch ein Stein und Ratibor der Bruder Wartislaws gründet dieses Kloster an der Peene, während die Söhne Wartislaws: Burgeslaw und der jüngere Kasimir I. als Pommernherzöge später gegen Heinrich den Löwen in der Schlacht bei Verchen unterliegen. Beide unterwerfen sich Heinrich und sind so fortan im Dienste Heinrichs des Löwen unterwegs.
1170 Broda und noch imposanter 1172 Dargun zeigen den dänischen Einfluß. Die Wiedererrichtung des Domstifts zu Havelberg erweist, wie raumgreifend Herrschaftsansprüche abgesteckt wurden. Das erzeugt natürlich die Gegenbewegung der Brandenburger: Otto I. von Brandenburg nimmt im Jahre 1177 an einem Feldzug gegen Herzog Kasimir I. teil und belagert Demmin. 1180 zog er ein weiteres Mal gegen Demmin und Stettin, wobei Kasimir getötet wurde. Auf Otto I. geht dann wiederum das Kloster in Lehnin zurück.
1170 aber wird das Kloster zu Broda bei der Errichtung des Domherrenstifts zu Havelberg durch Kasimir unter Zustimmung seines älteren Bruders Burgeslaw gestiftet und mit 33 umliegenden Ortschaften ausgestattet. Ein riesiges Einzugsgebiet. Wie fragil aber eine Herrschaft im 12. Jhd. war, zeigt sich in der weiteren Klostergeschichte. Für die umliegenden Ortschaften heute ist dieses Jubiläum eine willkommene Gelegenheit, die eigene Ortsgeschichte nicht nur zu beleuchten, sondern vor allem zu feiern. In Chemnitz war dazu am 11. Januar eine erste Gelegenheit. Und auch wenn die Erwähnung des sächsischen Chemnitz schon 1140 belegt ist, heißt das hinsichtlich der Ortsgründung noch nicht viel.
Jedenfalls habe ich in Dresden beim Frisör immer gehört: „Ja bei einem Lockenkopf gilt: Dresdn so rum oder so rum (B)Leipzig gleich Chemm nitz(t) och nischt“. Und so kommt es bei aller Akribie in der historischen Wissenschaft auch immer darauf an, was die später Zugezogenen aus so einem Ort machen. Geschichte jedenfalls sollte erzählt werden.

Bernhard Hecker

Übersetzung: Drehst du ihn so rum oder so rum, bleibt sich gleich, Kämmen nützt auch nichts.

Redaktion

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