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Kirchenregion Neubrandenburg

„Aller Diener sein“

Oder: Wozu braucht man eigentlich Kirchenälteste?

Zwölf Jahre ist es her, da fragte mich unser damaliger Pastor Borchert, ob ich mir vorstellen könnte, für den Kirchgemeinderat zu kandidieren.
In dem Gedanken erzogen, dass christlicher Glaube keine Privatangelegenheit sei, sondern immer auch die Mitmenschen – und da vor allem die Mitchristen im Blick haben sollte, habe ich damals „Ja!“ gesagt. „Ich“ - das bedeutet in meinem Fall: Ertlinde Fritz, 53 Jahre alt, Physiotherapeutin von Beruf und in Neubrandenburg geboren und aufgewachsen.
Die Arbeit im Kirchengemeinderat hat mich von Anfang an fasziniert. Es finden sich dort Leute mit unterschiedlicher sozialer Herkunft und Bildung, um gemeinsam Entscheidungen zum Wohl einer Gemeinde zu treffen. Es gibt Meinungsbildungsprozesse und immer gemeinsames, demokratisches Arbeiten.
Dabei geht es z.B. um die Erhaltung der kirchlichen Gebäude, allen voran des Kirchengebäudes, aber auch des Gemeindehauses, des Pfarrhauses usw. Diejenigen unter Ihnen, die selbst in einem alten Haus wohnen, können sich sicher vorstellen, mit welchen überraschenden baulichen Tatsachen man da manchmal konfrontiert wird. Da ist es dann sehr gut, wenn unter den Kirchenältesten ein Bauingenieur, ein Architekt, ein versierter Bauhandwerker ist. (Ich bin das alles nicht.) Aber durch meine Mitarbeit im KGR habe ich viel gelernt, was die Bauaufgaben einer Kirchengemeinde anbelangt. Ganz spannend war für mich u.a. die Meinungsbildung zu der Zukunft unserer kleinen St. Georgskapelle und ich bin sehr froh, dass dieses geschichtsträchtige Kirchlein weiter in kirchlicher Nutzung bleibt.
Und wenn Sie mich nach meinem schrecklichsten Erlebnis als Kirchenälteste fragen, dann fällt das auch in dieses Arbeitsfeld: Es war die Fahrt im  klapprigen Bauaufzug einer Kirche im Westfälischen zur Glockenbesichtigung …und das mit meiner ausgeprägten Höhenangst…
Eine Kirchengemeinde kann auch um das leidige Thema „Geld“ keinen Bogen machen. So haben wir in unseren Sitzungen auch über Haushaltspläne zu beraten. Und auch da finden sich immer Kirchenälteste, die sich im Finanzausschuss engagieren und denen es offenkundig Spaß macht, die Finanzen einer Gemeinde zu verwalten, für sinnvolle und notwendige Dinge auszugeben oder das Geld auch manchmal zusammenzuhalten.

Wichtig sind in einem KGR auch die – nennen wir sie einfach mal - „Sozialarbeiter“. Das sind diejenigen, die das Ohr bei der Gemeinde und ihren Mitgliedern haben, die Veranstaltungen mitorganisieren, die für Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde sorgen, die Kontakt zu verschiedensten Gemeindegruppen halten, die mit den Kirchengemeinden in unserer Region in Kontakt bleiben usw.
Unser Lektorendienst in den Gottesdiensten macht nur einen kleinen Teil unseres Engagements aus. Er ist aber wichtig, damit immer wieder unsere Verbundenheit mit der Gemeinde und ihrem Gottesdienst zum Ausdruck kommt. Für mich ist es in diesem Zusammenhang ganz wichtig, dass hier deutlich wird, dass die Basis für unser Handeln das Wort Gottes und nicht unsere eigene Ehre und Selbstdarstellung ist.
Wenn Sie mich fragen: Um Kirchenältester zu sein oder zu werden, muss ein Mensch nicht besonders „heilig“ oder übermäßig fromm sein. Er oder sie sollte ein offenes Herz für seine Mitmenschen haben, zu einer konstruktiven Zusammenarbeit mit den hauptamtlichen und den anderen ehrenamtlichen Mitarbeitern bereit sein und Spaß daran haben, die Gegenwart und Zukunft unserer Gemeinde konkret mitgestalten zu wollen.
Jesus sagt: „Wer unter euch der Erste sein will, der sei aller Knecht.“ Mk. 10,44
Nach diesem Bibelwort versuche ich als Kirchenälteste zu handeln – und ich kann Ihnen versichern: Es ist spannend, erfüllend und sinngebend!

Herzlich grüßt Sie
Ihre Ertlinde Fritz


Unsere Kirchengemeinden können nur lebendig sein, wenn Sie sich engagieren! Z.B., wenn Sie sich selbst als Kandidat für den Kirchengemeinderat aufstellen lassen! Freuen Sie sich auf spannende Jahre in Ihrer Kirchengemeinde, in denen Sie selbst ein Wörtchen mitreden können, wo und wie es lang geht!

Wenn dazu die Kraft oder die Zeit nicht reicht, dann ist es wichtig, dass Sie Ihre Verbundenheit mit Ihrer Gemeinde dadurch ausdrücken, dass Sie sich an der Wahl beteiligen! Wenn Sie an dem Wahlwochenende in Ihrer Gemeinde nicht vor Ort sind, dann können Sie auch per Brief wählen, Wenden Sie sich bitte dazu an Ihren Pastor oder an die Pastorin. Die sorgen dafür, dass Sie die Wahlunterlagen pünktlich bekommen.

Herzliche Grüße
Pastor Ralf von Samson

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