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Kirchenregion Neubrandenburg

Asaf auf dem Portraitgemälde Paul Gerhardts in Lübben

Asaf

Was sonst noch in der Bibel steht

Das Liederbuch der Bibel zählt 150 Psalmen, und für den suchenden Leser geben unterschiedliche Übersetzungen Auskunft über das Gebet. Mit Luther meinen wir: wer singt, betet doppelt. Zuweilen spiegeln die Psalmen, im Wechsel gesprochen, etwas wider, was man beim Gespräch auf der Straße auf die Frage: wie geht´s? antwortet. Lob und Dank bzw. Klage und verzweifeltes Suchen. Der Gesprächsfaden nicht nur für einen Gottesdienst.

Asaf erscheint in der späten Zeit, als man Israels Geschichte wiederholt in den Chronikbüchern ordnet. Er wird König Davids Hof zugeordnet. Asaf ist zwar nicht König wie David – aber er ist wie David Musiker und Chorleiter.
Die Psalmen werden gruppiert und immerhin Psalm 50 und die Psalmen 73-84 werden zu Psalmen Asafs. Da ist die Klage über die Zerstörung Jerusalems, das scheinbare Frohlocken der Feinde und dann ein großes „Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand.“ Trost aus Gottes früheren Taten: Du führtest dein Volk wie eine Herde durch die Hand von Mose und Aaron. Man umgreift mit der Zuschreibung der Psalmen Themen der ganzen Geschichte Israels, so wie man es in der Chronik auch versucht, topografisch und genealogisch einen Bogen zu schlagen über mehrere Jahrhunderte. Der Weg Gottes mit seinem Volk durch die Zeit wird durch Asaf besonders geordnet, da er in der Zeit und am Hofe Davids angesiedelt wird. Für die Musikhistorie sind die schmalen Notizen zu den Psalmen kein Hinderungsgrund, großartige Oratorien zu komponieren. Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn Bartholdy lassen die Chöre und Solisten predigen. Asafs Psalmen hingegen werden vom Saitenspiel begleitet oder nach einer bestimm-ten Weise zu einem Gesang, der vielleicht auch Kehrverse kennt, da sich eine kleine Gruppe um einen Vorsänger findet. Sie erzählen Geschichte als Gottes Gericht über die Welt, ja oft sind es Unterweisungen. Asaf wird also Musik als Gottesdienst, ja die Psalmen als Gebet in Gestalt von Liedern sichtbar machen. Die Chronikbücher, so sehr sie am Rande der Bibel zu stehen scheinen, bieten doch über die Aneinanderreihung von Namen hinaus vor allem ein Konzept, wie man Geschichte als Dienst, ja als Gottesdienst versteht und vielleicht auch als ein lexikalisches Wissen, das über die Namen eben Sprache und Herkunft sichtbar macht. Freilich, für jemanden, der anfängt in der Bibel zu lesen, bleiben diese Worte wie etwa für Goethe nur Schall und Rauch. Johann Gottfried Herder war als Lehrer Goethes da viel weiter, als er seine Schrift: „Vom Geist der hebräischen Poesie“ verfasste. Ja, Psalmen haben über die Jahrhunderte hinweg ihre Übersetzung und Sprachkraft gefunden. Und Asaf war eben nicht nur Musiker, vielmehr auch Seher. Und so erscheint Asaf auf dem Portraitgemälde Paul Gerhardts in Lübben als Urbild des christlichen Sängers und Kirchenlieddichters. In einer Zeit, als Friedrich Spee sein Adventslied: „O Heiland reiß die Himmel auf“ mit 3 Strophen aus dem Buch Jesaja beginnt, scheint das Licht des Advents ganz ungewohnt, aber so sperrig manche dieser Psalmen Asafs sind, liegen sie doch Gott in den Ohren.

Pastor B. Hecker

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