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Kirchenregion Neubrandenburg

Über die Sorge für das gemeinsame Haus

Gedanken aus einem Rundschreiben (Enzyklika) von Papst Franziskus

Das päpstliche Rundschreiben richtet sich nicht nur an alle Christen weltweit – es möchte auch von nichtchristlichen MitbürgerInnen als Anregung zu gemeinsamem Nachdenken und Wirken für eine ökologische und menschenwürdige Welt verstanden werden. Papst Franziskus beruft sich dabei auf die Enzyklika Papst Johannes XXIII. von 1963, ein Rundschreiben, das auch an Christen und „alle Menschen guten Willens“ gerichtet war. Gleich zu Beginn des Textes macht der Papst deutlich, worum es ihm wesentlich geht: Das große Thema ist die Verantwortung aller Menschen für die Erde als „unserem gemeinsamen Haus“. „Ökologie“ bedeutet hier vom griechischen Wortsinn her die Lehre vom Haus der Menschheitsfamilie. Das beinhaltet den Umweltschutz, greift aber gleichzeitig weit über diesen hinaus. Alle Bewohner der Erde müssen in der gegenwärtigen ökologischen Krise, bei der die Zukunft der Menschheit auf dem Planeten Erde auf dem Spiel steht, Sorge tragen für die weite und schöne Wohnung, in der Gott, der Schöpfer und der Vater, allen Platz und Heimat gegeben hat. Der Papst schreibt: „Wir sind in dem Gedanken aufgewachsen, dass wir Eigentümer der Erde und Herrscher seien, berechtigt, sie auszuplündern. Die Gewalt des von der Sünde verletzten menschlichen Herzens wird auch in den Krankheitssymptomen deutlich, die wir im Boden, im Wasser, in der Luft und in den Lebewesen bemerken.
Wir vergessen, dass wir selber Erde sind. Unser eigener Körper ist aus den Elementen des Planeten gebildet; seine Luft ist es, die uns den Atem gibt, und sein Wasser belebt und erquickt uns“. In diesem Zusammenhang ruft Franziskus dazu auf, „unser gemeinsames Haus zu schützen“, weil „die Menschheit noch die Fähigkeit besitzt, zusammenzuarbeiten, um unser gemeinsames Haus aufzubauen.“

Nach einer Zeit irrationalen Vertrauens auf den Fortschritt und das menschliche Können … wächst eine ehrliche, schmerzliche Besorgnis um das, was mit unserem Planeten geschieht“. Unser Ziel könne es nun nicht mehr sein, Informationen zu sammeln, um unsere Neugier zu befriedigen, wichtig werde die Erkenntnis sein, was jeder Einzelne als Beitrag zur Erhaltung und Bewahrung der Schöpfung leisten könne. „Wenn wir berücksichtigen, dass der Mensch auch ein Geschöpf dieser Welt ist, das ein Recht auf Leben und Glück hat und das außerdem eine ganz besondere Würde besitzt, können wir es nicht unterlassen, die Auswirkungen der Umweltzerstörung, des aktuellen Entwicklungsmodells und der Wegwerfkultur auf das menschliche Leben zu betrachten“. Auch die weltweit vernetzten Medien trügen mit dazu bei, „dass Weisheit inmitten des zerstreuenden Lärms der Informationen erlischt. Wirkliche Weisheit, die aus der Reflexion, dem Dialog und der großherzigen Begegnung zwischen Personen hervorgeht, erlangt man nicht mit einer bloßen Anhäufung von Daten, die sättigend und benebelnd in einer Art geistiger Umweltverschmutzung endet. Der Verfall der Umwelt und der der Gesellschaft schädigen in besonderer Weise die Schwächsten des Planeten. Die Schuld (für ungleiche soziale Verhältnisse) dem Bevölkerungszuwachs (Asien, Afrika, Lateinamerika) und nicht dem extremen und selektiven Konsumverhalten einiger anzulasten, ist eine Art, sich den Problemen nicht zu stellen. Es ist der Versuch, auf diese Weise das gegenwärtige Modell der Verteilung zu legitimieren, in dem eine Minderheit sich für berechtigt hält, in einem Verhältnis zu konsumieren, das unmöglich verallgemeinert werden könnte. Außerdem wissen wir, dass etwa ein Drittel der produzierten Lebensmittel verschwendet wird, und dass Nahrung, die weggeworfen wird, gleichsam vom Tisch der Armen geraubt wird. Indessen fahren die Wirtschaftsmächte fort, das aktuelle weltweite System zu rechtfertigen, indem eine Spekulation und ein Streben nach finanziellem Ertrag vorherrschen, die dazu neigen, den gesamten Kontext wie auch die Wirkungen auf die Menschenwürde und die Umwelt zu ignorieren.
Daher bleibt heute alles Schwache wehrlos gegenüber Interessen des vergötterten Marktes, die zur absoluten Regel werden. Es ist vorhersehbar, dass angesichts der Erschöpfung einiger Ressourcen eine Situation entsteht, die neue Kriege begünstigt, die als eine Geltendmachung edler Ansprüche getarnt werden.
Die mit dem Finanzwesen verbundene Macht ist das, was sich am meisten gegen Bemühungen sträubt, um den Situationen, die neue Konflikte verursachen können, (politisch) zuvorzukommen und sie zu lösen.
Dies sind nur einige Aspekte, die Franziskus im Rahmen seiner umfangreichen Enzyklika deutlich macht, um sie ins Gespräch mit unterschiedlichen Gruppen von Menschen zu bringen. Entscheidend wird sein, aus diesen Erfahrungen heraus zu lernen und praktische Konsequenzen für unser Miteinander in einer zukünftigen – hoffentlich lebenswerteren Welt zu ziehen. 

Fritz W. Rabe

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