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Kirchenregion Neubrandenburg

Dein Reich komme

„My home is my castle“. Hier zu Hause fühle ich mich wohl, hier kann ich schalten und walten wie ich will. Das ist mein Reich! Mancher, der sich zu Hause etwas beengt fühlt, sucht sich sein eigenes Reich woanders, im Keller, in der Garage oder im Garten. Wir alle brauchen einen Raum, wo wir sein können, wie wir sind, ohne immer denken zu müssen, was wird der andere sagen, wo wir auch mal die Füße auf den Tisch legen können.

Mein Reich grenzt an andere Reiche und nicht überall bin ich der Herrscher. Woanders werde ich beherrscht, aber was soll´s, ich kann mich ja zurückziehen in mein eigenes Reich, wenn es mir zu viel wird. Grundsätzlich aber haben sich die meisten von uns mit dem Reich, in dem sie leben, arrangiert. Es gibt viel zu meckern und zu klagen über unsere Herrscher, vieles stimmt nicht, und trotzdem leben wir gerne in dieser Welt. Die Bitte des Vaterunsers: „Dein Reich komme“ ist eine Bitte um Veränderung! Und mal ganz ehrlich, wer wünscht sich schon eine grundlegende Veränderung seiner Lebensverhältnisse? Ich jedenfalls fühle mich ganz wohl hier auf der Erde in meiner Lebenssituation.

Aber ich weiß, dass es Menschen gibt, die ihr Leben oder ihre Lebenssituation kaum ertragen können. Die sprechen diese Bitte des Vaterunsers sicher ganz anders aus, mit einer Sehnsucht nach Erlösung. Der kranke, der leidende, der hungernde und der weinende Mensch ersehnen sich Veränderung. Und auch wir, denen es relativ gut geht, erleben allzu oft, dass unsere Welt nicht vollkommen ist. Wir brauchen nur die Nachrichten zu hören. Aus diesem Erleben, aus dieser Erfahrung kommt die Sehnsucht nach Veränderung, die Sehnsucht danach, dass alles besser werde. Dieser Sehnsucht haben sich viele Menschen oder Ideologien bedient, um den Menschen das Heil zu versprechen: das Tausendjährige Reich, der Kommunismus, überall sollte diese Sehnsucht erfüllt werden, und immer ging man über Leichen dabei. Auch wenn man versuchte das Reich Gottes im Namen Gottes zu errichten! Die Bitte im Vaterunser macht deutlich, dass nicht wir Menschen uns selbst erlösen können. Wir bitten Gott darum, dass er sein Reich verwirkliche. Und nur von Gott können wir die Erfüllung unserer Sehnsucht nach Heil erwarten, nicht von Menschen, nicht vom Geld und nicht von Ideologien oder Weltanschauungen! Das Reich Gottes wird kommen, wenn Gott es will! Aber überall dort, wo Menschen sich in Liebe begegnen, füreinander da sind, einander Lasten tragen, da ist das Reich Gottes schon mitten unter uns gegenwärtig! Wenn Jesus in Gleichnissen spricht, dann redet er vom Reich Gottes. Das Reich Gottes ist da Wirklichkeit, wo ein Vater seinem Sohn die Schuld vergibt, das Reich Gottes ist da Realität, wo ein Mensch Liebe und Heil geschenkt bekommt und sie sich nicht verdienen muss, das Reich Gottes ist Teil dieser Welt, wo wir aneinander in Liebe begegnen. D.h. auch wir können etwas dafür tun, dass das Reich Gottes in dieser Welt Kraft gewinnt. Aber unser Tun bleibt menschliches Tun und damit begrenztes. Es liegt nicht in unserer Hand, das Reich Gottes aufzurichten. Deshalb die Bitte an Gott: „Dein Reich komme!“

Pastor Ralf von Samson

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