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Kirchenregion Neubrandenburg

Bild: Verena von Samson

Der Garten in der Bibel

Als ich mich bereit erklärte, einen Artikel über den Garten in der Bibel zu schreiben, ahnte ich nicht im Entferntesten, welche Dimensionen das annehmen könnte. Ein Artikel ist viel zu wenig, wo es ein Buch bräuchte, um sich eingehend mit diesem Thema zu beschäftigen.
Der erste biblische Garten, der uns einfällt, ist der Paradiesgarten, der Garten Eden. Aber Vorsicht! Das Wort Paradies kommt in der hebräischen Bibel nicht vor. Erst in der antiken griechischen Übersetzung, der sogenannten Septuaginta, kommt dieses persische Wort vor, das ursprünglich einen umzäunten Bereich meint und damit Eingang in unser Verständnis des ersten biblischen Gartens gefunden hat. In uns allen schlummert die Sehnsucht nach diesem Garten, nach dem Paradies.
Die alttestamentlichen Gärten waren geprägt durch eine Abgrenzung, für die man Steine oder auch Gestrüpp verwendete, um den Bereich gegen Tiere zu schützen oder sein Eigentum zu kennzeichnen.
Gärten waren eine wichtige Lebensgrundlage und werden zum Bild des Heils: „Und du wirst sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt“ (Jes. 58,11). Ein vertrockneter Garten kann ein Bild für Gottesferne sein: „Ich plagte euch mit dürrer Zeit und mit Getreidebrand; auch fraßen die Raupen alles, was in euren Gärten und Weinbergen, auf euren Feigenbäumen und Ölbäumen wuchs“ (Am. 4,9). Im Hohelied Salomos treffen sich die Liebenden in einem Garten und die Geliebte selbst wird im Bild zu einem: „Meine Schwester, liebe Braut, du bist ein verschlossener Garten, eine verschlossene Quelle, ein versiegelter Born“ (Hoh. 4,12).
Des Weiteren ist der Garten im Alten Testament ein Attribut des Königs. So spricht der exemplarische König in Pred. 2,4-5: „Ich tat große Dinge: Ich baute mir Häuser, ich pflanzte mir Weinberge, ich machte mir Gärten und Lustgärten und pflanzte allerlei fruchtbare Bäume hinein.“
Der Garten hat im alten Orient eine so große Bedeutung, dass von einem schönen Garten bildlich von Gottes Garten gesprochen werden kann (1. Mo-se 13,10). Daneben ist der Garten im Alten Testament auch ein Ort der Liebe, wo sich Mann und Frau erkennen (1. Mose 2,22-25), und im Hohelied der Ort, an dem sich Liebende treffen.
Im Neuen Testament kommt das Wort Garten fünf Mal vor. In einem Gleichnis (Lk. 13,19) lässt Jesus einen Menschen ein Senfkorn in einen Garten säen. Vor allem aber nutzt das Johannesevangelium das Bild des Gartens. Johannes greift die königliche Symbolik und die Liebessymbolik des Gartens auf. Jesus wird bei ihm mit einem König gleichgesetzt, und die Passion Jesu findet somit an einem Ort der Liebe, im Garten Gethsemane, statt.
Dort betet Jesus, dort wird er verhaftet, das Grab Jesu befindet sich (anders als in den anderen Evangelien) in einem Garten. Deshalb meint Maria von Magdala im Auferstandenen auch dem Gärtner zu begegnen. (Joh. 20,15). Vielleicht wird der Garten der Auferstehung für Johannes damit wieder gleichgesetzt mit Gottes Paradiesgarten, wo Gott der himmlische Gärtner war. Der Garten wird nach der Auferstehung wieder zu einem Ort des Lebens. Und Maria von Magdala begegnet dem neuen Gärtner, der zum Symbol neuen Lebens wird.
Deshalb ist es wohl so, dass wir auf unseren Gräbern oft kleine Gärten finden. So wird der Garten zum Bild des Lebens und der Auferstehung, nicht nur bei Johannes sondern auch bei uns.

Ralf von Samson

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