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Kirchenregion Neubrandenburg

Der Prophet Micha

Jan van Eyck, Genter Altar, Der Prophet Micha

Von Friedensbewegung über Weihnachten
Das Buch Micha ist ein kleines Buch im Alten Testament. Micha ist einer der zwölf kleinen Propheten, wie zwölf verschiedene Bücher am Ende des Alten Testaments gern zusammengefasst werden (das Dodekapropheton) und besteht nur aus sieben Kapiteln.

Über die Person des Micha erfahren wir nicht viel, nur: Er hat wohl im Südreich, in Juda gelebt, kritisierte die Gesellschaft, die Oberen seiner Zeit, als die Könige Jotam, Ahas und Hiskia regierten, und stammte aus einem Ort namens Moreschet ca. 35 km südlich von Jerusalem. (Damals war das heutige Gebiet von Israel/Palästina in das Nord- und Südreich geteilt.)
Ein unbequemer Zeitgenosse, so könnte man ihn wohl mit den Augen einiger seiner Mitmenschen beschreiben, denn er hatte viel an der Praxis der politischen und religiösen Eliten zu kritisieren. In diesem Buch finden wir Missstände aufgeschrieben, die weiterhin virulent sind: das Leben auf Kosten von Mitmenschen, das Größerwerden von wirtschaftlichen Unterschieden zwischen Familien, Korruption.
Der Prophet Micha wird und wurde wieder ins Rampenlicht gerückt - besonders in der Zeit der Friedensbewegung. Sie bekam mit einem Zitat aus diesem Buch ihr Motiv und ihre Überschrift „Schwerter zu Pflugscharen“ (Micha 4,3). Nach einer Kritik an den führenden Männern in Juda (Kap. 3) und dem Bild, dass der Ort der Gottesnähe Jerusalem mit dem Tempelberg umgepflügt würde, folgt das Bild der Völkersammlung bei Gott auf dem Zion, eine Vision für das kommende Friedensreich Gottes: es gibt dann einen Ort nahe bei Gott, an dem sich alle Menschen in Frieden versammeln.
Das Buch Micha hat seinen festen Platz auch beim Weihnachtsfest, wenn in diesen Tagen die alttestamentlichen Weissagungen verlesen werden: „Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Tausenden in Juda, aus dir soll mir kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und Ewigkeit gewesen ist.“ (Micha 5,1). Die Guten Nachrichten von Matthäus und Lukas nehmen diese Worte auf und erzählen, dass die eine Veränderung nicht aus dem Zentrum der politischen Macht kommt, sondern aus der kleinen Stadt Bethlehem wie damals König David.
In der Lektüre des Buches Micha steckt viel Anspruch. Die geschichtlichen Verhältnisse sind nicht irrelevant und doch fern, das Machtgeflecht um die kleinen Reiche Israel und Juda ja fast verwirrend. Wie sind wir Menschen, wie ist die politische und religiöse Elite verantwortlich, verwoben mit allem, was passiert? Welche Folgen haben das Handeln und Entscheiden? Im Buch lesen wir ein Auf und Ab von Strafe, aber auch von Gnadengeschehen. Manchmal ist es fast beklemmend. Doch angesichts manchmal aussichtsloser Beschreibungen der Geschehnisse zwischen den Menschen enden die Autoren dieses Buches trotzdem mit einem bestärkenden Bild von Gott:

„Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest deines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade! Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.“
(Micha 7,18f.)


Pastorin Charlotte Kretschmann

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