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Kirchenregion Neubrandenburg

Text: Rainer Szczesiak, Roga; Foto: Ralf Bruse, Regionalmuseum Neubrandenburg

500 Jahre Reformation

Die Lutherbibel – Volksbuch und Zeugnis des protestantischen Glaubens

Aus Anlass des Reformationsjubiläums zeigt das Regionalmuseum Neubrandenburg vom 27.10.2017 bis zum 25.02.2018 im ehemaligen Franziskanerkloster (Nordflügel) eine Wechselausstellung, die das welthistorische Ereignis sowie seine Auswirkung auf Mecklenburg und die Stadt Neubrandenburg präsentiert. Im Zentrum der Betrachtung stehen Martin Luther und sein Schüler Erasmus Alberus. Beide Theologen stritten aufopferungsvoll für die Reformierung der Kirche in einer neu anbrechenden Zeit. Luther, der letztlich die protestantische Konfession begründete und Alberus, der -bis zu seinem tragischen Lebensende in Neubrandenburg- als beharrlicher Kämpfer für die evangelische Lehre einstand.

Grundlage des Glaubensstreites am Ende des Mittelalters war die Auslegung der Heiligen Schrift. Die katholische Kirche sah sich traditionell als Hüterin des göttlichen Wortes. Sie allein entschied über den wahren Sinn der Offenbarung. Gleichzeitig nutzte die Kurie dogmatische Überlieferungen für die autoritäre Glaubensauslegung und kirchliche Machtentfaltung. Dies bekam der Augustiner-Eremitenmönch Martin Luther zu spüren, als er mit der Ablehnung des Ablasswesens die Kirche herausforderte. Bei seinem unbeugsamen Auftreten gegen Kaiser und Papst ließ sich der Reformator von der Heiligen Schrift leiten. Für ihn war sie Quelle des Glaubens. Um im Kampf bestehen zu können, übersetzte Luther schrittweise die Heilige Schrift aus griechischen und hebräischen Urtexten. Das auf der Wartburg geschaffene Neue Testament wurde 1522 von Melchor Lotter in Wittenberg gedruckt. Der Band kostete 1½ Gulden und war damit „so teuer wie ein Pferd“. Kurze Zeit später entstand das Alte Testament, bei dessen Übersetzung Luther befreundete Theologen hilfreich zur Seite standen. Die Gesamtausgabe der Heiligen Schrift mit Illustrationen aus der Werkstatt von Lucas Cranach erschien 1534. Luther erkannte schnell die Bedeutung der Buchdruckkunst: „So hat Gott uns die Druckerei dazu geschenkt, hauptsächlich zur Unterdrückung des Papstes.“ Die massenhafte Verbreitung seiner religiösen Schriften bildete die geistliche wie auch die soziale Basis der Reformation. Obwohl die frühen Bibeln viel Geld kosteten, fanden sie reißenden Absatz. Ausschlaggebend für den einzigartigen Siegeszug, gleichsam für die Entwicklung zum Volksbuch, war die besondere Übersetzungsform Luthers. Er nutzte eine volksnahe Sprache, damit die Bevölkerung den Sinngehalt der Schrift selbständig verstand. Der Philosoph Herder sagte dazu: „Luther ist´s, der die deutsche Sprache, einen schlafenden Riesen, aufgeweckt und losgebunden“ hat. Schließlich förderte die einheitliche hochdeutsche Schriftsprache die Ausbildung des deutschen Nationalgefühls im ethnisch vielfältigen römisch-deutschen Reich.

Bildunterschrift: Die Museumsausstellung zeigt neben einer Ratzeburger Bibeln von 1695 (Bild) weitere Drucke der katholischen und protestantischen Konfessionen mit zum Teil prachtvoller Gestaltung.

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