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Kirchenregion Neubrandenburg

Liebe Leserinnen und Leser,
Sie sind aus keinem Krippenspiel wegzudenken: unsere drei Könige: Caspar, Melchior und Balthasar.
Drei Buchstaben, die einen ganzen Feiertag geprägt haben: Dreikönigstag am 6. Januar.
Drei Buchstaben „CMB“ die für den Segen stehen, der von diesen dreien auf das Haus gelegt werden möge. Drei Buchstaben, die als sichtbares Zeichen über so manche Tür geschrieben werden.
„CMB“, auch wenn es so aussieht, es sind nicht  die Anfangsbuchstaben der Namen dieser drei. Sondern sie stehen für „Christus mansionem benedicat“ (lateinisch: „Christus segne dieses Haus“). In merkbarer Übersetzung kann man auch sagen: „Christus möge bleiben.“
Alles dreht sich um diese drei Könige. Um die Darstellungen wird gestritten. Es geht um viel Symbolik.
Dabei…. dabei…. muss ich Sie heute enttäuschen, oder auch nicht….
Denn so viel Sie durch Ihre Bibel blättern können, auch die Weihnachtsgeschichten aufmerksam studieren, wir lesen leider nichts von drei Königen, sondern von drei weisen Menschen.
Wie aus den Weisen der Bibel Könige in der Erinnerung wurden, dies lässt sich vielleicht erahnen, auch erschließen, historisch erforschen, doch vielmehr, so mein Eindruck, ist es vielleicht ein Ausdruck unserer menschlichen Sehnsucht? Ich hoffe, Sie sind jetzt nicht enttäuscht. Denn es spielt in dem, was die Geschichte uns sagt, keine große Rolle. So bleibt doch vor allem, dass wir uns selbst fragen, was wohl hinter dieser überlieferten Veränderung der Personen steht, stehen könnte und dass wir uns dem zuwenden, was wir als Botschaft lesen.
Vielleicht war es ja die Sehnsucht, dass Könige auch weise sind.
Vielleicht war es auch eine Sehnsucht, dass es wahr werden möge, dass Könige auf die Knie gehen.
Dass Könige den anbeten, der über ihnen herrscht.
Vielleicht ist es unsere Sehnsucht, dass die Mächtigen dieser Welt etwas abbekommen von diesem Kind, dass sie spüren, wie das ist - auf die Knie zu gehen und anzubeten.
Es gibt einen riesigen Unterschied, auf die Knie zu gehen als ein Verlierer oder als ein Untergebener,  also eher auf die Knie gezwungen werden. Wie viel Wut und Erniedrigung und Angst erwächst daraus.
Wie anders ist es vor Ehrfurcht, vor Respekt, mit dem Gefühl des wunderbaren Überwältigtseins auf die Knie zu fallen!
So entdecke ich es bei diesen Dreien.
Vielleicht sind sie in der Überlieferung Könige geworden, um den Mut nicht zu verlieren, dass es nicht nur Könige wie Herodes gibt, sondern dass auch Mächtige sich beugen, freiwillig. Sozusagen die Frühform einer Sehnsucht nach gelingender menschenfreundlicher Regierung gegen menschenverachtende Herrschaft.
Vielleicht war es schon vor vielen Jahrhunderten die Sehnsucht, dass Macht friedensstiftend genutzt wird, nicht nur tötend und verachtend.
In jedem Fall erzählt uns die Bibel von den drei Weisen, die aus dem Osten kamen, aus dem Orient, aus dem Land, wo die Sonne aufgeht. Aus Syrien, Irak, Iran – so ungefähr. Woran fühlen wir uns erinnert?
Sie waren auf der Suche nach einem neuen König. So hatte es ihnen der Himmel verheißen.
Auf dem Weg nach Bethlehem fragen sie im Palast des Herodes noch nach dem Weg. Eigentlich hatte der König sie gebeten, auf dem Rückweg noch einmal vorbei zu kommen. Doch dazu kommt es nicht, auch wenn die drei die drohende Katastrophe nicht abwenden können.
Die Geschichte der Bibel beschreibt die inneren Veränderungen dieser drei, ihr Anders-geworden-sein in einem wunderbaren Bild. Sie gehen auf einem anderen Weg nach Hause. Sie gehen nicht mehr nach Jerusalem. Sie gehen nicht den Weg zurück, auf dem sie gekommen sind.  
Sie sind andere Menschen geworden und darum gehen sie nun andere Wege.
Ob nun drei Weise oder drei Könige, die Geschichte und vor allem auch das Ende dieser Geschichte im Matthäusevangelium finde ich bewegend und berührend.

Pastor Jörg Albrecht

Matthäus 2,1+12
Da Jesus geboren war zu Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem ….
Und da ihnen im Traum befohlen wurde, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem andern Weg wieder in ihr Land.

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