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Kirchenregion Neubrandenburg

Die zehn Gebote

Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest.
Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun.
Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt.
Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn. (2. Mose 20, 8-11)

Wenn mein Großvater früher eine Pause von seiner Arbeit machte, dann setzte er sich in den Schatten, zündete seine Pfeife an und sagte: „Sonntag heute“. Das hat mich als Kind immer irritiert, war doch da nicht gerade Sonntag. Heute weiß ich längst, dass dieser Spruch sehr viel über den Sonntag aussagt: Am Sonntag kommt man zur Ruhe, da genießt man die Zeit, die Gott schenkt, da können Körper und Seele auftanken.
Das Sabbatgebot erzeugt einen wohltuenden Klang in unseren Ohren, es ist so ganz anders formuliert als die anderen Gebote. „Denke an den Sabbat und halte ihn heilig…, an diesem Tag musst du nicht arbeiten und alle anderen auch nicht. Gott schenkt ihn dir, diesen besonderen Tag mit seiner ganzen Freiheit.“
 Und das ist noch nicht alles: dieser wunderbare freie Tag hat auch noch eine göttliche Begründung: Sechs Tage nahm sich Gott Zeit für seine Schöpfung, danach gönnte Er sich  göttliche Ruhe, und mehr noch: Gott segnete diesen siebenten Tag, die Krone der Schöpfung. Weil Gott ruhte, dürfen auch wir, seine Geschöpfe und Ebenbilder, ruhen. An diesem Tag sind wir frei vom Druck, etwas schaffen zu müssen, frei von der Hektik des Alltags und der Mühsal des Arbeitslebens.
Merkwürdig, dass gerade das Feiertagsgebot, das nur Gutes für uns will, so leicht übergangen wird!
In der jüdischen Tradition wurde und wird der Sabbat sehr ernst genommen. Strenggläubige Juden leben schon die Woche über auf diesen Tag hin, der dann am Freitagabend mit einem Synagogengottes-dienst begrüßt wird. Der ganze Sabbat hat einen fröhlichen, festlichen Charakter, denn Gott, der Geber aller guten Gaben, auch des Sabbats, wird gefeiert.
Die Christen sind später vom letzten auf den ersten Tag der Woche, den Sonntag, gerückt. Vielleicht, um sich von der jüdischen Tradition abzugrenzen, mit Sicherheit aber, weil es der erste Tag der Woche war, an dem Jesus auferstanden ist. Aber egal, ob es Sonnabend oder Sonntag ist, wichtig ist, dass an diesem Tag mal nicht Arbeit und Wirtschaft regieren, sondern Gott und die Ruhe. Und nicht zu vergessen: es ist ein gemeinsamer freier Tag (Sohn, Tochter, Magd etc.), an dem die Menschen gemeinsam genießen können, was Gott „gut“ gemacht hat. Wie wichtig ein gemeinsamer freier Tag ist, hat Kaiser Konstantin erkannt und 321 n. Chr. den Sonntag als Feiertag eingeführt. Bis heute ist der Sonntag als gesamtgesellschaftliche Errungenschaft in unserem Grundgesetz verankert. Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage „der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt“ (GG Art.139). Möge es auch so bleiben! Denn seit Maschinen rund um die Uhr laufen und am Computer auch zu Hause weiter gearbeitet werden kann, nagen wirtschaftliche Interessen an diesem Tag. Natürlich soll der Sonntag niemanden fesseln und wo Not ist, muss dann auch geholfen werden. Aber ob die Not so groß ist, dass die Geschäfte geöffnet haben müssen, bleibt doch anzuzweifeln.
Kommen wir noch zu Luther, der im „Großen Katechismus“ auch sehr ausführlich das Feiertagsgebot bedacht hat. Wenn er sich über das Heiligen dieses Tages Gedanken macht, dann so: „… dass man an einem solchen Ruhetag (weil man sonst nicht dazu kommen kann) Raum und Zeit nehme, Gottesdienstes zu warten; also dass man zu Haufe komme, Gottes Wort zu hören und handeln, darnach Gott loben, singen und beten.“ Womit auch die Frage des Gottesdienstbesuches geklärt wäre.

Pastorin Erika Gebser

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