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Kirchenregion Neubrandenburg

Flucht. Ein Blick in die Bibel.

„Flüchtlinge“. Kein Thema ist derzeit in den Medien und in der Gesellschaft präsenter. An dieser Stelle soll es um einen Blick in die Bibel gehen. Finden wir dort etwas zu unserem aktuellen Thema?

Das Volk Israel. Ein Volk flieht.

Vielleicht ist manch einer überrascht, aber die Geschichte des Gottesvolkes in der Bibel ist untrennbar mit einer Flucht verbunden.
Zunächst sehen wir eine nomadische Gesellschaft vor uns, diese lebt vom Unterwegssein. Stämme und Familien ziehen von Ort zu Ort. Abraham zieht aus seinem Vaterland fort, weil Gott ihm den Auftrag gibt.
Persönliche Schuld und manche Abwege machen die biblischen Stammväter dann zu Flüchtigen.
Entscheidend für das Selbstverständnis des Gottesvolkes ist jedoch die Flucht des Volkes Israel aus der Sklaverei Ägyptens.
Seit Generationen haben sie dort gelebt, aber als die sozialen Missstände und die gewalttätigen Zustände immer größer wurden, hielten sie es nicht mehr in Ägypten aus.
Der Auszug aus Ägypten, der Auszug aus der Sklaverei, war im Eigentlichen eine Flucht aus unmenschlichen Bedingungen.
Israel floh vor Hunger und Gewalt. Zuvor musste auch schon Mose fliehen, weil er einen ägyptischen Sklavenaufseher mit tyrannisch-sadistischen Zügen ermordet hatte. So erzählt die Bibel, sogar auf dieser Flucht erhält er Schutz und er reift zu der Person, die das Volk später anführt.
Lesen wir die Geschichte des Volkes Israel in der Bibel mit den Augen des aktuellen Geschehens, dann beginnen wir auch zu verstehen, was es bedeutete und wie es war, als das Volk nach 40 Jahren Wanderung endlich in ein neues Land kam. Man erzählte ihnen, dies sei das Gelobte Land und sie dachten, dort würden Milch und Honig fließen. Doch dann kamen die Konflikte, mit denen, die auch schon da waren, denn die wollten keine neuen Mitbürger im Land.

Die prägende und identitätsstiftende Geschichte Israels, die ja zugleich als eine Art Mustergeschichte für das Verhältnis Gottes mit den Menschen gilt, ist also eine Geschichte, die auf einer Flucht beruht und der Suche nach einem Land zum Leben, nach einem friedlichen Ort Heimat.
Ein Flüchtlingsbaby in Ägypten. Sein Name ist Jesus.

Wir und die Weihnachtsgeschichte. Sie rührt uns emotional an, wir singen unsere Weihnachtslieder, schauen die Krippenspiele. Wir sehen die Weisen aus dem Morgenland, und einige kennen sogar die Geschenke, die sie brachten. Auch in diesem Jahr wird es so sein. Wir blenden dann allerdings das Folgende eher aus. Denn als die Weisen wieder aus Bethlehem fort waren, König Herodes auf einen neuen König aufmerksam wurde, begann das große Morden der Kinder. Bis zum Alter von zwei Jahren wurden alle Jungen getötet. Und so begann das junge Leben Jesu mit einer Flucht. Im Matthäusevangelium Kap. 2, 13ff lesen wir von der Flucht der Familie nach Ägypten. Maria und Joseph machten sich auf, weil sie dem Morden entfliehen wollten, ja mussten.
Du hast Verantwortung für den, der deine Hilfe braucht. Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lukas, 10, 25-37) geht es um die notwendige Hilfe, die ein Mensch einem anderen Menschen in einer unmittelbaren Notlage gibt. Jesus stellt diese Hilfe beispielhaft in den Raum und spricht von der praktizierten Nächstenliebe.

Es lohnt sich, diese Geschichte genauer anzuschauen. Es gibt dort Menschen, die helfen nicht. Diese Menschen haben bestimmt plausible Gründe, die jedoch nicht näher erläutert werden. Die Geschichte stellt nicht das Sicherheitssystem der Region in Frage. Gewiss könnte man so einiges tun, damit es gar nicht erst zu solchen Überfällen käme, wie dort geschildert wurden.

Es wird nicht geklärt, ob der Reisende vielleicht auch zu unvorsichtig oder zu leichtsinnig war. Es kann durchaus sein, ist aber hier nicht relevant.
Der durchreisende Samariter, der hilft, stellt auch nicht sein ganzes Reiseprogramm um. Auch das gehört zur Geschichte.
Aber er half einem Menschen, der geschlagen am Weg lag, er half einem Menschen, der Hilfe brauchte. Er hob ihn auf, verband seine Wunden, brachte ihn in ein Gasthaus zur medizinischen Versorgung, zum Essen und sorgte für einen sicheren Schlafplatz. Jesus sagt am Ende des Gleichnisses: „Geh hin und handle ebenso!“

Heute: Ich wüsste gern, welche Geschichten uns Jesus heute erzählen würde. Was würde er heute zu uns sagen? Wo würden wir ihn antreffen? Bei uns, in den Aufnahmelagern, in der Kirche? Oder überall?

Jörg Albrecht

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