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Kirchenregion Neubrandenburg

Verena von Samson, Ostern

Und dann kommt Ostern!

„Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen“, so beginnt ein altes Kirchenlied aus dem 11. Jahrhundert, das Martin Luther weiter dichtete.
Der Tod mitten im Leben war den Menschen nahe – im 11. wie im 16. Jahrhundert, in Jahrhunderten von Hunger und Krankheit, Pest und Krieg.
 
„Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen“ – ist aber nicht nur eine Erkenntnis aus dem Mittelalter. Es ist eine menschliche Urerfahrung: Der Tod ist nicht nur etwas, das am Ende des Lebens auf uns wartet. Der Tod greift in das Leben ein, wenn ein Mensch, der uns nahe stand, stirbt. Der Tod greift in unser Leben ein, wenn wir uns fürchten vor todbringenden Dingen wie Terror, Krieg und Katastrophen, fürchten vor Krankheiten wie Krebs.
„Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen“ – davon erzählt auch die Passionsgeschichte: Jesus stirbt nicht alt und lebenssatt, mitten im Leben wird er am Kreuz hingerichtet. Er wird aus der Mitte seiner Freunde gerissen. Maria, seine Mutter, die Mutter Gottes, hält ihr totes Kind in den Armen - eine der schlimmsten Erfahrungen, die Menschen mit dem Tod „mitten im Leben“ machen können.

Und dann kommt Ostern!
„Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat.“ Das wird den Frauen am Ostermorgen zugesprochen. Den Frauen, die mit dem Tod in ihrem Leben zu kämpfen haben, wird gezeigt, dass der Tote nicht mehr da ist. Plötzlich ist da nicht mehr Tod, sondern Leben.
„Fürchtet euch nicht!“ Mit der Auferstehung Jesu nimmt Gott dem Tod die Macht. Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort.
Ostern ist der Einspruch Gottes gegen den Tod. Gott selber stellt sich dem entgegen, was das Leben kleinhält und es bedroht oder gar vernichtet. Was wir nicht zu hoffen wagten, wird wahr: Am Ende blüht uns nicht der Tod, sondern das Leben.

„Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen. Kehrs auch um: Mitten in dem Tode sind wir vom Leben umfangen.“ Martin Luther glaubte fest an die Güte und Nähe Gottes, trotz der Bedrohlichkeit des Todes. Den Schreckensbildern des Todes begegnet er mit Hoffnungsbildern des Glaubens. „Durch seinen Tod wird der Tod getötet“, sagt Luther wiederholt vom Tod Jesu von Nazareth.

„Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen. Kehrs auch um: Mitten in dem Tode sind wir vom Leben umfangen.“ An die Umkehrung dieser Verhältnisse erinnert uns das Osterfest. Wir feiern, dass wir selbst angesichts des Todes keine Angst haben müssen. Wir feiern das Leben und singen Halleluja.

Halleluja! Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!

Pastorin
Christina Jonassen

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