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Kirchenregion Neubrandenburg

Geheiligt werde Dein Name

Thema: Vater Unser

Jeder Mensch trägt einen Namen. Kaum etwas gehört so sehr zu mir. Wenn mein Name gerufen wird, fühle ich mich angesprochen. Wer sich über meinen Namen lustig macht, trifft meine Gefühle tief. Mein Name, das bin ich. Da, wo die Menschen meinen Namen kennen, da fühle ich mich gesehen und angenommen.

Auch Gott trägt einen Namen. Ich kann Gott ansprechen wie eine Person. Statt einer diffusen Kraft, die irgendwie „da“ ist, stehe ich einem DU gegenüber. Ich kann zu Gott in Beziehung treten. Die Bibel erzählt im Zweiten Buch Mose, wie Gott seinen Name offenbart: Mose findet am Berg Horeb einen brennenden Dornbusch. Der steht in Flammen, verbrennt aber nicht. An diesem Ort begegnet Mose dem lebendigen Gott. Der ist zwar vor seinen Augen verborgen, spricht aber mit deutlicher Stimme zu ihm. Mose erhält den Auftrag, die versklavten Israeliten aus Ägypten zu führen. Mose fragt nach, wer ihn da beauftragt. So erfährt er den Namen Gottes: „Ich bin, der ich bin“ – Jahwe. In der Hebräischen Bibel werden aus Ehrfurcht vor Gott nur die vier Buchstaben geschrieben: JHWH.

So wie ich mich angesprochen fühle, wenn mein Name genannt wird, so ist es auch mit Gott in der Hebräischen Bibel: Wer im Gebet Gott mit Namen anspricht, erlebt: Gott hört auf mich und wendet sich mir zu. Wie jede Beziehung lebt auch das Verhältnis Gott–Mensch von der Achtung vor dem Gegenüber. Darum gebietet das zweite Gebot: Du sollst den Namen des HERRn, deines Gottes, nicht unnütz gebrauchen, denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht. Niemand soll den Namen Gottes für den eigenen Vorteil und zum Schaden anderer einsetzen. Ausgeschlossen auch, sich über den Namen Gottes lustig zu machen und so Gott zu beschämen.

Diese Ehrfurcht vor Gott und seinem Namen prägt das Gebet und den Alltag der jüdischen Religion bis heute: Gott ist heilig und sein Name ist heilig. Im absoluten Gehorsam gegenüber dem Gebot vermeiden es jüdische Gläubige, den Namen Gottes auszusprechen. Stattdessen verwenden sie andere Worte, die Gott loben und preisen, wenn sie aus der Bibel vorlesen oder beten, wie: der Herr, der (heilige) Name, der Ewige. Dieser Brauch findet sich auch in unserer Bibel: Überall, wo der Name Gottes in der Hebräischen Bibel geschrieben steht, wird mit  DER HERR übersetzt.

Jüdische Gebete aus der Zeit der ersten Christinnen und Christen beginnen häufig damit, dass der Name Gottes gelobt und gepriesen wird. Auch das Gebet, das Christus seine ersten Schülerinnen und Schüler gelehrt hat, beginnt so: Geheiligt werde Dein Name. Wenn mir etwas heilig ist, dann habe ich Hochachtung davor und gehe sorgsam damit um. So eröffnet das christliche Gebet mit einem Lob und einer Bitte zugleich. Zum einen lobe ich Gott, indem ich sage: „Du, mein Gott, bist für mich heilig, wertvoll, großartig und besonders“. Zum anderen bitte ich: „Gott, sorge Du dafür, dass in dieser Welt die Menschen mit Achtung und Bewunderung von Dir reden.“

Das Vaterunser beginnt also mit einer Absage an die Tendenz, Gott vor den eigenen Karren zu spannen. Wenn ich Gottes Namen heilig halte, hüte ich mich davor zu sagen: „Im Namen Gottes befehle ich euch, dies und das zu tun“. Auch werde ich mich zurückhalten, das Leben anderer zu zerstören und dies mit dem Hinweis auf Gott zu verbrämen. Wer im Namen Gottes tötet oder Terror verübt, der verhöhnt Gott.

Martin Luther weist darauf hin, dass die Bitte im Vaterunser vor allem ein Griff an die eigene Nase ist: In der Taufe haben Christinnen und Christen den Namen Gottes bekommen. Sie sind seine Kinder. Wie vom Verhalten der Kinder auf die Eltern geschlossen wird, so ist es auch mit Gott und dem Menschen. Was ich als Christin, als Christ tue, das fällt auf Gott selbst zurück. Der Name Gottes wird geheiligt, so Luther, wenn „das Wort Gottes lauter und rein gelehrt wird und wir auch heilig, als die Kinder Gottes, danach leben“. Also, wenn ich in Ehrfurcht von Gott rede und in Liebe mit meinen Mitmenschen und mir selbst umgehe.

Weil es aber eine Herausforderung ist und das ganze Leben über bleibt, bittet das Vaterunser, dass Gott selbst dabei hilft, seinen Namen zu heiligen.

Martin Doß

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