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Kirchenregion Neubrandenburg

Gideon mit dem Vlies. Griechisches Heiligenbild; Copyright: Jojojoe Lizenz: CC BY-SA 3.0

Thema: Was sonst noch in der Bibel steht

Gideon

Mit Fackeln und Trompeten gegen blanke Schwerter? Mit dreihundert tolpatschigen Umstandswauwaus gegen zigtausend trainierte Soldaten? Kann das gut gehen? Das Buch Richter aus der Bibel erzählt von einem Sieg friedlicher Mittel über eine wohlgeschmierte Kriegsmaschine.
Mittendrin dabei: Gideon, Sohn eines Stammesfürsten aus Ofra – einer Kleinstadt eine Tageswanderung nördlich von Jerusalem.

Die Bibel berichtet: Gideon lebte in einer Zeit, als die Menschen in seiner Heimat ständig von den midianitischen Reiterstämmen überfallen wurden. Immer wenn geerntet wurde, fielen die Soldaten in die Dörfer und kleinen Städte ein und raubten die Getreideernte und das Vieh.

Gideon fragt sich: Warum lässt unser Gott das zu? Er hat doch die Vorfahren aus der Sklaverei in Ägypten geführt. Er hat mit ihnen den Bund geschlossen. Was können uns diese alten Geschichten noch sagen?

Gideon ist dabei, sein Korn zu dreschen, da kommt ein Engel zu ihm und beauftragt ihn damit, das Volk Gottes gegen die Midianiter zu verteidigen. Gott hat die Überfälle zugelassen, weil das Volk gegen das erste Gebot verstoßen hat: Du sollst keine anderen Götter haben neben mir! Überall im Land stehen aber Altäre für die Götzen.

Gideon erbittet sich ein Zeichen von dem Engel: Die Brotzeit, die er dem Besucher gebracht hat, berührt dieser mit seinem Wanderstab, und schon geht sie in Flammen auf wie ein Opfer auf dem Altar.

Nun bekommt Gideon seine erste Mission: Er soll den Altar des Götzen Baal in seiner Heimatstadt zerstören und verbrennen. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion führt er mit zehn von seinen Angestellten diesen Auftrag aus. Die Mitbürger sind außer sich: Gotteslästerung! Todesstrafe! Aber Gideons Vater sagt: Wenn der Gott Baal etwas dagegen tun will, dann soll er sich selbst darum kümmern.

Schon bald darauf erhält Gideon den Auftrag: Verteidige das Volk gegen die Soldaten der Midianiter! Aber er soll es ohne militärische Stärke tun – das Volk Gottes soll sehen: Unser Gott selbst hat uns geholfen. Jeder Gedanke an die eigene Stärke wird ausgeschlossen. Als Test, ob es wirklich Gottes Wille ist, wünscht er sich ein Zeichen: Er legt ein Stück Wollvlies auf den Steinboden. Wenn es am Morgen nass ist und der Boden trocken – dann will er loslegen. Das Zeichen trifft ein. Doch Gideon bleibt unsicher. Er dreht das Zeichen um: Der Boden soll nass, aber das Vlies trocken sein. So kommt es.

Gideon hat zwar eine stattliche Armee versammelt. Aber immer wieder gibt Gott Gideon den Auftrag: Schick noch mehr Leute nach Hause! Am Schluss bleiben dreihundert Mann übrig. Sie waren die einzigen, die bei einer Rast auf dem Marsch wie ein Hund aus der Quelle getrunken haben, statt sich mit der Hand Wasser zu schöpfen. Jetzt kommt es zu dem seltsamen Überfall auf das gegnerische Lager: Mit einer Trompete aus Widderhorn in der einen und mit einer Fackel in der anderen Hand positionieren sich die Verteidiger um die gegnerische Armee. Sie stoßen ins Horn und leuchten mit den Fackeln. Und Gott verwirrt die Gegner! Eine Armee zigtausend Mann stark gerät in Panik und flieht. Gott hat gesiegt.

Die Bibel erzählt, wie Gideon später zu einem lokalen Herrscher aufsteigt und wie er später seine Heimat auch profan militärisch verteidigt. Doch er bleibt ein Mensch mit Schattenseiten: Aus einer Kriegsbeute macht er sich ein Götzenbild und verstößt so gegen das zweite Gebot: Du sollst dir kein Götzenbild machen! Seine Familiengeschichte endet in der Bibel tragisch.

Gideon ist in der christlichen Geschichte ein Glaubensvorbild geworden: Er prüft sorgfältig, ob das, was er hört, auch wirklich Gottes Auftrag ist. Dann setzt er es um – selbst wenn die Erfolgsaussichten nach menschlichen Maßstäben gering sind. Das ist auch ein Vorbild für unsere von Strukturdebatten und Verlusterfahrungen gebeutelte Kirche. Wir werden immer weniger, und die finanziellen Kräfte schwinden. Aber wie sehr viel später der Prophet Sacharja geschrieben hat: Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist soll es geschehen, spricht Gott.

Pastor Martin Doß