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Kirchenregion Neubrandenburg

Verena von Samson | Vom reichen Kornbauern ...

Eine super Ernte war das dieses Jahr!

Na, jedenfalls keine schlechte. Denn an die hohen Erträge in der modernen Landwirtschaft haben wir uns ja schon fast gewöhnt. Sie sind quasi normal. Das Erntewetter war auch recht gut, zumindest im August. Und so sind die Lagerhallen der Landwirte gut gefüllt.
Dem Bauern, von dem uns Jesus in seinem Gleichnis erzählt, ging es ganz ähnlich.


Er hatte eine gute, eine wirklich gute Ernte. Das war damals und in Israel schon etwas Besonderes. Denn die Anbaumethoden waren damals recht einfach, der Boden war steinig und eine Sommerdürre konnte die Hoffnung auf eine gute Ernte ganz schnell zunichte machen. Gute Ernten waren da eher die Ausnahme.
Also muss man die Gunst der Stunde nutzen und von der reichen Ernte einen Vorrat anlegen. Neue, größere Scheunen müssen her, dachte sich der Kornbauer! Große Scheunen, die die gute Ernte dieses Jahres aufnehmen und speichern, so dass der Vorrat auch für die mageren Jahre reicht.
Eine gute Idee! Weitsichtig und vorausschauend. Vorräte schaffen, Sicherheiten schaffen, vorsorgen, uns unabhängig machen von Risiken und Eventualitäten.
Das ist doch oft auch unser Bedürfnis!
Wir brauchen ein gewisses finanzielles Polster, um uns sicher zu fühlen. Wir schließen diese und jene Versicherung ab und fühlen uns dann sicherer. Wir sagen uns, drei oder fünf oder zehn Jahre ziehe ich im Beruf noch voll durch und dann genieße ich das Leben in vollen Zügen! Dann lasse ich es mir gut gehen!

Was soll daran schlecht sein? Warum nennt Jesus den reichen Kornbauern einen Narren?  
Hat Jesus etwas gegen Besitz und Reichtum? Ist er gegen Vorsorge und verantwortungsvolles Handeln?
Nein, gewiss nicht. Das ist gar nicht das Problem in unserem Gleichnis.
Sondern das Problem ist, dass der reiche Kornbauer bei seinen Überlegungen Gott überhaupt nicht mehr im Blick hat. Er meint, er könne sein Leben selbst absichern. Er könne selbst die Voraussetzungen für ein gutes, sicheres Leben schaffen. Er spricht zu seiner „lieben Seele“ und wiegt sich durch seine großen Vorräte in Sicherheit und Ruhe. Aber er vergisst, dass nicht er der Herr seines Lebens ist, sondern Gott, unser Schöpfer. Er ist es, der uns alles schenkt, was wir haben und wovon wir leben. Und natürlich und zu allererst schenkt er uns das Leben und erhält es Tag für Tag. Das hat der reiche Kornbauer vergessen. Er hat nur auf sich und seine Fähigkeiten gebaut.
In der Gefahr stehen wir in unserer modernen Gesellschaft heute alle! Alles scheint uns heute möglich. Wir haben alles, was wir brauchen, und noch viel mehr. Wir können scheinbar vollkommen für uns selbst sorgen. Gott scheint dabei völlig über-flüssig zu sein.
Solange, bis wir möglicherweise durch Schicksalsschläge darauf gestoßen werden, dass wir unser Leben eben nicht selbst in der Hand haben. Nein, das haben wir überhaupt nicht!
Wir sind mit unserem ganzen Leben vollkommen in Gottes Hand. Von ihm haben wir unser Leben empfangen und er ist es, der es täglich erhält, solange wie er es beschlossen hat.
Wir dürfen unser Leben aus seiner Hand als Geschenk annehmen, täglich neu. Wir dürfen ihn dafür loben und ihm danken! Wir dürfen unser Leben gestalten und genießen. Wir dürfen auch vorsorgen und uns an unseren Gütern erfreuen. Aber wir sollten sie nicht zur Grundlage unseres Lebens ma-chen. Denn diese Grundlage bietet uns allein unser Gott.
Der kluge Mann baut vor? - Nein: Der kluge Mann (Mensch) baut sein Leben auf Gott!
 
Pastor Mathias Kretschmer

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