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Kirchenregion Neubrandenburg

Lukas 15,10
Mancher Holzweg führt in eine Sackgasse

Herbst 2017

Jesus Christus spricht:
Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.
Evangelium nach Lukas 15,10

Ich habe einmal ein Bußgeld bezahlt. Mein Ausweis war abgelaufen und ich habe zu spät einen neuen beantragt. Es war eine Summe, die mein Portemonnaie ziemlich erleichtert hat. Ich habe mich darüber geärgert – vor allem weil ich das leicht hätte vermeiden können. Wer schon einmal ein Bußgeld bezahlen musste, z.B. wegen überhöhter Geschwindigkeit, kann es wohl nachempfinden. Das Bußgeld soll einen Ausgleich schaffen für den Ordnungsverstoß – ich habe dafür gebüßt. Aber es schwingt auch die Idee mit: Wenn ich mich über das Bußgeld ärgere, halte ich mich demnächst an die geltenden Vorschriften und Regeln. Schließlich will ich ja eine erneute Buße vermeiden. Auch wenn hier der Gedanke der Erziehung eine Rolle spielt - diese Art von Buße ist und bleibt eine unangenehme Sache. Außer den klammen Stadtfinanzen hat niemand Grund zur Freude.

Wenn Jesus von der Buße spricht, kommt etwas anderes in den Blick. Das griechische Wort, das Luther mit Buße übersetzt hat, heißt METANOIA: Ich beginne anders zu denken. Ich sehe mein Leben in einem anderen Licht. Und das hebräische Wort dafür heißt TESHUVA: Ich kehre um. Ich komme zurück. Für die Bibel ist die Buße ein Grund zur Freude.

Wenn Jesus die Menschen seiner Zeit zur Buße ruft, dann geht es um die Holzwege des Lebens. Auf so einem Holzweg verrenne ich mich und lande in einer Sackgasse. Meistens bin ich dabei aber überzeugt: Ich kenne den richtigen Weg. Dann dauert ein Streit unnötig lange, weil ich mich vollkommen im Recht sehe. Ich glaube, dies oder jenes steht mir zu und nehme es mir heraus – aber ich verletze dabei Menschen, die mir lieb sind. Ich trage meine gekränkte Eitelkeit vor mir her und mache meinen Mitmenschen das Leben sauer. Mit den Augen des Glaubens sehe ich dann später: Hier bin ich falsch. So will ich doch gar nicht sein. Und habe mich doch so verhalten.

Bei Jesus heißt Buße: Ich kann diese Holzwege verlassen. Ich kann einen anderen, besseren Weg durch das Leben gehen. Wenn ich meine Mitmenschen verletzt habe, bin ich eingeladen zu sagen: Bitte, vergib mir! Und wenn ich einen Groll mit mir herumtrage, darf ich sagen: Ich vergebe Dir! Jesus befreit mich davon, immer alle Konsequenzen bis zum bitteren Ende zu ziehen. Und weil ich trotz guter Vorsätze immer wieder in meine alten Muster zurückfalle, kann ich täglich umkehren – immer wieder neu.

Ein Holzweg ist auch: Ich lebe nur noch zwischen Fernsehsessel und Kühlregal, Rasenmäher und Autositz. Gott spielt nur eine kleine Rolle. Alles andere ist mir wichtiger geworden. Oder da ist der Gedanke: Ich muss mich mächtig anstrengen, wenn ich mein Glück finden will. Ich muss eine gute Arbeit finden, muss viele gute Kontakte haben, muss eine gute Mutter, ein erfolgreicher Vater sein – dann bin ich gut und habe ein gutes Leben.

Auf diesen Holzwegen verliere ich aus den Augen, was mein Leben trägt: Ich verwechsele das, was Gott mir gegeben hat, mit dem Erfolg meiner eigenen Anstrengung. Oder ich denke: Ich habe es selbst in der Hand. Und verzweifle, wenn ich scheitere, wenn Beziehungen zerbrechen, mein Alltag von Schmerzen bestimmt ist. Jesus Christus hat die Menschen eingeladen: Tue Buße! Kehre um zu einem Leben mit Gott. Schau Dein Leben im Licht des Glaubens an. Lebe Dein Leben aus der Gnade und Barmherzigkeit Gottes. Statt vor dem Tod alles mitzunehmen was möglich ist – Lass Dir von Gott Dein Lebensglück schenken.

Wenn Jesus von der Buße redet, dann hat das also herzlich wenig mit unserem Bußgeld zu tun. Und einen Bußgeldkatalog suche ich im Himmel auch vergeblich. Stattdessen feiern die Engel eine Party, wenn ich zu einer guten Einsicht über mein Leben komme und so Freiheit gewinne. Jesus erzählt dazu die Geschichte vom verlorenen Schaf: Ein Schäfer hat ein Tier verloren und macht sich auf die Suche danach. Als er es davor gerettet hat, in der Wildnis zu Grunde zu gehen, kommt er beschwingt nach Hause. Seine Freude über diese Rettung wiegt schwerer als die Freude an seinem ganzem anderen Besitz. Wer schon einmal erlebt hat, dass ein geliebter Mensch sich verläuft und stundenlang auf ihn gewartet hat, kennt diese Freude bestimmt: Endlich bist Du zu Hause. Endlich fällt alles ab, was das Herz beschwert hat. So freut sich auch Gott, wenn wir von unseren Irrwegen umkehren statt immer tiefer in die Sackgasse zu gehen.

Eine jüdische Geschichte erzählt: Bevor der Ewige die Welt und die Menschen erschafft, zeichnet er einen Bauplan: Himmel und Erde, Land und Meer, Tiere und Menschen. Als er fertig ist, geht der Plan in Flammen auf und die Welt mit den Menschen darin zerbricht. Die Engel schauen ängstlich zu. Da zeichnet der Ewige noch einmal. Und noch einmal – und immer wieder geht der Plan in Flammen auf und die Welt mit den Menschen darin zerfällt. Und noch einmal zeichnet der Ewige den Plan für die Welt. Und er erschafft mitten in ihr: die Umkehr von den Irrwegen. Und siehe, die Welt hält bis heute.

Ihr Pastor Martin Doß

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