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Kirchenregion Neubrandenburg

Quelle: © Gottesdienst-Institut der ELKB

Hiobs Frau

Was sonst noch in der Bibel steht

Hiobs Geschichte füllt in der Bibel ein ganzes Buch. Ein wohlhabender Mann, gesund, verheiratet, Familie, fromm - alles scheint gut zu sein. Er verliert alles, seinen Besitz, seine Kinder, seine Gesundheit. Unendlich viel Leid verändert sein Leben, aber nicht, dass Hiob festhält an seinem Glauben.
Die Frau des Hiob repräsentiert eine zweite, vielleicht menschlichere, zumindest nachvollziehbare Reaktionsmöglichkeit auf die sogenannten Hiobsbotschaften: sie formuliert ihr Unverständnis. Trotzdem steht sie ihrem Mann zur Seite bei dem Einbrechen des unermesslichen Leids, das über das Ehepaar hereinbricht.
Jemand wird sich vielleicht fragen: Ist ihr Verhalten wirklich so „unfromm“? Oder nicht doch auch verständlich durch alles, was ja auch sie miterlitten hat? Wie geht man mit einem Menschen um, der scheinbar so perfekt im sozialen und religiösen Leben ist? Ist sie schwach, weil sie so schnell an ihrem Glauben verzweifelt? Oder ist sie mutig, weil sie eine kritische Wahrheit sagt, die sich gegen die vermeintlichen Normen stellt? Immerhin tut sie, was unglaublich schwer ist: an der Grenze dessen, wo man etwas sagen kann, dennoch sprechen.
Es bleiben Fragen offen: Wie kann man mit Leid angemessen umgehen? Wieviel Zweifel und Kritik verträgt der Glaube? Wie soll man miteinander umgehen in schweren Zeiten?
Das Bild lebt vom Licht. Es zeigt Hiob und seine Frau. Ohne den Schein der Kerze säßen beide im Dunkeln. Die Kerze in der rechten Hand von Hiobs Frau bringt das Licht ins Bild. Und die Flamme ist der hellste Punkt im Bild. So fällt es fast gar nicht auf, dass die beiden sonst von Finsternis umgeben sind. Man sieht sonst nichts. Kein Zimmer, keine Wand, kein Fenster, kein Blick nach draußen. Löschte man die Kerze, es wäre zappenduster.
Ich glaube, dass es das Miteinander ist und dass wir ein Gegenüber haben in unseren Mitmenschen, vor allem aber in Gott haben, lässt uns Leid ertragen und schwere Zeiten durchstehen. Wenn wir einander Licht sind und Licht bringen, so wie Hiobs Frau das hier tut, dann haben wir Grund zur Hoffnung und Grund zum Glauben auf ein Leben im Licht Gottes.

Pastorin Christina Jonassen

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