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Kirchenregion Neubrandenburg

Die Jahreslosung für 2015

Nehmt einander an, wie Christus
euch angenommen hat zu Gottes Lob.

            Röm. 15,7

Paulus schreibt an die Christen in Rom, einer riesigen Weltstadt mit einer christlichen Gemeinde. Diese Gemeinde ist ein „bunter Haufen“ von Christen unterschiedlichen Herkommens. Da gibt es Sklaven, freigelassene ehemalige Sklaven, ärmere Bürger und hier und da vielleicht schon den einen oder anderen aus der oberen Gesellschaftsschicht. Die einen wohnen seit Generationen in Rom, die anderen sind erst kürzlich nach Rom gekommen, die einen haben tiefe römische Wurzeln, andere haben ihre Wurzeln in der griechischen Kultur, manche stammen vielleicht von den Römern als Barbaren bezeichneten Völkern ab oder aus dem Judentum. Menschen in einer Gemeinde, so unterschiedlich und so bunt wie unsere Welt. Es ist nicht immer leicht, das Anderssein der anderen Menschen auszuhalten. Andere Menschen haben andere Sitten. Die einen essen nur bestimmte Speisen, die von anderen mit Ekel abgewiesen werden, die einen tragen eine Kleidung die bei den anderen Entsetzen auslöst. Wie soll aus diesem Gemisch von unterschiedlichen Menschen aus unterschiedlichen Traditionen eine Gemeinde werden? Die Unterschiede drohen die Gemeinde in Rom zu spalten, weil es unterschiedliche Meinungen darüber gibt, wie ein christlicher Lebensstil aussehen soll. Die Menschen teilen sich ein in die Starken und in die Schwachen im Glauben.

Paulus weist auf Christus. Christus hat keinen Unterschied gemacht zwischen den Menschen, er hat mit allen an einem Tisch gesessen, mit den Ehebrechern, mit den Zöllnern, mit Römern. Damit hat er auch Menschen vor den Kopf gestoßen, die das nicht verstehen konnten. Aber Christus wusste, dass es bei Gott keine Frage nach Herkommen und Geschichte, keine Frage nach den Sitten und Vorstellungen gibt, sondern nur, dass er alle Menschen annimmt. Sollte das für die christliche Gemeinde in Rom so schwer sein, dies auch zu leben?
Sollte das für unsere Gemeinden heute so schwer sein? Auch unter uns gibt es unterschiedliche Menschen. In unseren Gemeinden hält sich der Unterschied ja in Grenzen, wir sind uns doch mehr oder weniger ähnlich in unseren Anschauungen. Aber auch zu uns kommen Fremde, manchmal als Flüchtlinge aus einer anderen Kultur. Gelingt es uns, diese Menschen mit ihrem uns fremden kulturellen Hintergrund bei uns zu integrieren?

Was Paulus möchte, fassen wir heute in die Begriffe Toleranz und Akzeptanz. Wo hat unsere Toleranz ihre Grenze? Gibt es Dinge, die man nicht tolerieren kann? „Wer für alles offen ist, ist nicht ganz dicht!“ höre ich manchmal sagen. Unsere Toleranz darf am anderen Menschen keine Grenze erfahren, das sagt uns Paulus mit deutlichen Worten. Aber dort, wo Menschen in ihrem Glauben, in ihren Lebensvorstellungen oder sogar an ihrem Leben gehindert werden, sind auch wir als Christen in der Pflicht, unser NEIN zu sagen. Hier hat jede, auch jede christliche Toleranz ihre Grenze! Dabei müssen wir wachsam sein, wenn wir das Tun eines Menschen missbilligen, damit wir dabei nicht vergessen, dass zwar die Tat verwerflich sein mag, der Mensch aber selbst Gottes Kind bleibt. Denn auch Jesus hat nicht alles gut geheißen, aber er hat immer den Menschen angesehen, auch den, der auf falschem Wege war. Denn wir wissen nur zu gut, dass auch unser eigenes Tun so manches Mal falsch ist. Und doch darf ich mich als Gottes Kind fühlen, ich darf nach Hause kommen, auch wenn ich etwas falsch gemacht habe, wie der verlorene Sohn. Wir alle sind von Christus angenommen! Sollte es da so schwer sein, auch die Schwester oder den Bruder neben mir als Gottes Kind anzusehen und anzunehmen?

                                                                                        Ralf von Samson

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