MENU NEWS


Kirchenregion Neubrandenburg

„Das Kirchenjahr“ – Ein Gedicht für unsere Zeit

as haben die bekannten Gesangbuch-Lieder „Er weckt mich alle Morgen“, „Der Tag ist seiner Höhe nah“ und „Die Nacht ist vorgedrungen“ gemeinsam? - Die Texte stammen alle aus der Gedichtsammlung „Kyrie“ (1938) von Jochen Klepper (1903 – 1942), das eine Art Schatzkiste zu sein scheint, denn insgesamt neun der 16 Gedichte sind in unserem Gesangbuch zu finden (dazu noch vier weitere Liedtexte Kleppers).
An den Texten Kleppers gefallen mir die klare Sprache und die greifbaren Bilder. Es sind trotzdem keine einfachen Texte - zum einen, weil die Bilder und die Sprache doch sehr verdichtet sind, zum anderen, weil Klepper immer auch die größeren Zusammenhänge sucht: er stellt uns in den Rahmen von Gottes Geschichtsschreibung.
Im folgenden Gedicht fügt er
unser Leben (umschrieben in der letzten Strophe „kein Jahr von unserer Zeit“)
unsere eigenen Glaubenserlebnisse (mindestens am Ende jeder Strophe wird die Essenz
für uns formuliert)
und den Kirchenjahres-Lauf
zusammen zu einem großen Gemälde. Wir werden in die biblischen Szenen (als Heilige Könige, als Menschen unter dem Kreuz, als Emmaus-Jünger, ...) integriert. Unsere Sehnsüchte, Fragen und Hoffnungen finden dort und durch das Jahr mit Gott Antworten. Das Gedicht passt daher gut zu diesen ersten Monaten des Jahres, die von den großen Fest-Zeiten (Ende des Weihnachtsfestkreises bis Pfingsten) geprägt sind. Es ist doch eine gute Erkenntnis: dass der Festkalender einen tieferen Sinn hat und wir darin eingebettet sind!
Dass ich dieses Gedicht ausgewählt hatte, bezog sich aber auch auf die sang- und klanglose Coronazeit (jetzt, Ende Januar, sind Chöre und Singen im Gottesdienst ausgesetzt): es ist ein klingender Text, aber er ist nicht vertont.
Klepper gibt jedem Gedicht der Sammlung eine Art biblischen Auftakt mit, in diesem Fall aus dem apokryphen Buch Jesus Sirach 47,9-12: „Für ein jegliches Werk dankte er dem Heiligen, dem Höchsten, mit einem schönen Liede. Er sang von ganzem Herzen und liebte den, der ihn gemacht hatte. Er stiftete Sänger vor den Altar und ließ sie süße Lieder singen. Und ordnete, die Feiertage herrlich zu halten, und dass man die Jahrfeste durchs ganze Jahr schön begehen sollte, loben den Namen des Herrn und singen des Morgens im Heiligtum.“   

Christian Stähr

Jochen Klepper

Das Kirchenjahr

1. Du bist als Stern uns aufgegangen,
von Anfang an als Glanz genaht.
Und wir, von Dunkelheit umfangen,
erblicken plötzlich einen Pfad.
Dem Schein, der aus den Wolken brach,
gingen wir sehnend nach.

2. Am Ende unsrer weiten Fahrten
gabst du uns in dem Stalle Rast.
Was Stroh und Krippe offenbarten,
ward voll Erstaunen nur erfasst.
Die Zeichen blieben nicht mehr Bild,
Verheißung war erfüllt.

3. Und über Stall und Stern und Hirten
wuchs Golgatha, dein Berg, empor.
Nah vor den Augen der Verirrten
trat aus der Nacht dein Kreuz hervor.
Dort neigtest du für uns dein Haupt.
Da haben wir geglaubt.

4. Vor deines Felsengrabes Höhlung
ward hart und schwer ein Stein gestemmt.
Am Morgen kamen wir zur Ölung
und fanden nur dein Totenhemd.
Kein Fels hat deinem Weg gewehrt.
Wir folgten, Herr, bekehrt.

5. In deines Herzens offne Wunde
hast selbst du unsre Hand gelegt,
uns bis zu deiner Abschiedsstunde
mit Brot und Wein bei dir gehegt.
Die Wolke, die dich aufwärts nahm,
trug uns aus Angst und Scham.

6. Als eine Taube, lichtumflossen,
hast du dich sanft herabgesenkt,
uns mit dem Feuerglanz begossen
und die Verlassenen beschenkt.
Denn weil der Himmel offen steht,
gabst du uns das Gebet.

7. Durch Stern und Krippe, Kreuz und Taube,
durch Fels und Wolke, Brot und Wein
dringt unaufhörlich unser Glaube
nur tiefer in dein Wort hinein.
Kein Jahr von unsrer Zeit verflieht,
das dich nicht kommen sieht.

Kinderchortag zu St. Georg

Am Samstag, 14. Mai, ist der landesweite Kinderchortag bei uns zu Gast in St. Johannis! Im Mittelpunkt steht die Kantate „Nur Mut!“ von Jan Simowitsch, Beauftragter für Popularmusik der Nordkirche. Die Kantate bezieht sich auf St. Georg und die Kämpfe gegen die kleinen und großen Drachen, die sich uns im Alltag entgegenstellen. Um 16 Uhr ist die gemeinsame Aufführung, die für jedermann zugänglich ist. Unser Bischof Tilman Jeremias ist auch dabei. Herzliche Einladung!

Alle Infos
Aktuelle Infos gibt es auf www.musik-an-sankt-johannis.de, auf Facebook (musik-an-sankt-johannis) sowie über das Infotelefon 03 95-56 39 17 72 (nur Ansage).