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Kirchenregion Neubrandenburg

Martin Torp neben seinem ersten Apocalypsis-Bild „... und der Geist kam über mich...“

Konzert und Ausstellung „Zeiten(w)ende“

Musik und Bilder zur biblischen Schöpfungsgeschichte und zur Johannes-Offenbarung

Am Samstag, 12. November, gibt es um 19 Uhr ein besonderes, multimediales Konzert mit Lesung, Malerei, Chor- und Orgelmusik. Dabei werden zwei Doppelzyklen des Berliner Malers und Komponisten Martin Torp zu erleben sein:
Der Doppelzyklus „Genesis“ wurde 1994/95 für Orgel und für Chor komponiert. Er setzt die Schöpfungsgeschichte in klangliche Bilder um. Während der Orgel-Teil seither immer wieder aufgeführt wurde, wird der Chor-Teil (und damit auch die Kombination von Chor- und Orgelstücken) bei unserem Konzert uraufgeführt.
Der Doppelzyklus „Apocalypsis“ besteht aus sieben großformatigen Bildern und Orgelstücken zur Johannes-Offenbarung. Diese Bilder und einige weitere Arbeiten Torps werden im November und Dezember in der Johanniskirche zu sehen sein.
Vor dem Konzert um 18:30 Uhr treffen Martin Torp und Christian Stähr zu einem Einführungsgespräch in der Winterkirche zusammen - eine Gelegenheit, den Komponisten kennenzulernen und einen Einblick in seine Arbeit zu gewinnen. Das Neubrandenburger Vokalensemble und Christian Stähr (Orgel/Leitung) gestalten das Konzert. Der Eintritt ist auf Spendenbasis.

Kantor Christian Stähr im Gespräch mit dem Komponisten und Maler Martin Torp

CS: Wie kam es zu gleich zwei Doppelzyklen: „Apocalypsis“ für Orgel samt Bildern sowie „Genesis“ für Chor und Orgel? Gab es dazu einen Anlass oder einen Kompositionsauftrag?
MT: Beide Werke entstanden primär aus innerem Antrieb. Seit meiner ersten Lektüre der Offenbarung habe ich mich künstlerisch immer wieder mit diesem gewaltigen apokalyptischen Drama auseinandergesetzt – angefangen von einem Klavierzyklus mit zugehörigen Aquarellen im Jahr 1989 bis jetzt kürzlich zu meiner 4. Sinfonie. Der Doppelzyklus „Apocalypsis“ entstand 1992 für die Vernissage einer Ausstellung meiner Bilder in Berlin.
CS: Die Offenbarung des Johannes ist umstritten: buchstabentreue Christen missbrauchen sie für Drohgebärden, andere gehen diesem biblischen Buch genau deshalb aus dem Weg. Wie ist Dein Verhältnis dazu?
MT: Die Offenbarung war als Trostbuch für die Gemeinden Kleinasiens gedacht. Diese wurden verfolgt, weil sie sich weigerten, den römischen Kaiser Domitian als Gott anzubeten. Sein „Buch mit sieben Siegeln“ hat Johannes daher in einer Art Geheimsprache verfasst. Vieles darin ist symbolisch gemeint, auch die häufigen Zahlen. Daher führt ein „Buchstabenverständnis“ hier in die Irre. Zudem dürfen Begriffe wie „Gottes Zorn“ nicht im menschlich-emotionalen Sinn unserer Alltagssprache aufgefasst werden. Letztlich geht es ja überhaupt in der Johannes-Offenbarung weniger um die Gerichtsproblematik als vielmehr um die Stärkung des Glaubens an eine neue Schöpfung, die frei von Leid ist.
CS: Während der Orgelteil von „Genesis“ immer wieder aufgeführt wird, wird der Chorteil bei uns eine Uraufführung werden, 25 Jahre nach der Komposition. Wie kam es?
MT: Für die meisten Laienchöre ist der Chorpart wohl zu schwer geraten. Der Orgelzyklus zur „Genesis“ ist dagegen relativ leicht spielbar.
CS: Wie würdest Du einem interessierten Konzertbesucher Deine Tonsprache beschreiben?
MT: Ich bevorzuge harmonische Klänge, sangliche Melodik und pulsierende Rhythmik. Doch hängt die Wahl der Mittel nicht zuletzt auch vom Inhalt ab. Wenn ich etwa ein Stück zum Thema Kreuzigung schreiben sollte, könnte das Ergebnis durchaus stark dissonant sein. Aber mehr als die Dunkelheit liebe ich das Licht. So würde ich der Kreuzigung denn nach Möglichkeit eine Auferstehungsmusik folgen lassen.

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