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Kirchenregion Neubrandenburg

Koptische Christen in St. Michael

Koptische Christen in Neubrandenburg

Im Gespräch – eine Begegnung
Seit ein paar Jahren leben koptische Christen auch bei uns in Neubrandenburg. Christliche Familien aus Ägypten sind schon vor etlichen Jahren aus ihrer Heimat am Nil nach Deutschland geflohen, weil sie als Christen in ihrem ursprünglichen Heimatland Verfolgung und große Anfeindung erdulden und erleiden mussten. Von Anschlägen auf Kirchen und Gottesdienste berichteten auch die Nachrichten in unserem Land. 

Seit ca. 1½ Jahren trifft sich eine Gemeinschaft von Koptisch- Ägyptischen Christen in der St. Michaels-Kirche zu regelmäßigen Gottesdiensten. Zwischen 40 und 60 Männer, Frauen und Kinder, ganze Familien, kommen aus ganz Mecklenburg-Vorpommern, denn die nächstgelegene koptische Gemeinde und der nächste Gottesdienstort befindet sich in Berlin. 

Pastor Albrecht sprach mit John Sedrak, einem Mitglied der koptischen Gemeinde, der seit 5 Jahren mit seiner Familie in Neubrandenburg lebt.

Bitte erzähle uns doch etwas von deiner Heimatkirche. Was bedeutet eigentlich koptisch? 
John Sedrak: Wir gehören zur Orthodoxen Koptischen Kirche. Es gibt auch die Katholische Koptische Kirche. Die Orthodoxe Koptische Kirche ist die Hauptkirche in Ägypten. Koptisch heißt ägyptisch. Die koptische Sprache wird nur noch in der Kirche gesprochen. Nicht viele können mehr koptisch sprechen. Es sind wiederkehrende Texte im Gottesdienst. Bis zum Jahr 1250 war es die normale Sprache in Ägypten, dann wurde es verboten. Man spricht heute arabisch.

Die koptische Kirche ist eine sehr alte Kirche. Jedenfalls als organisierte Kirche älter als wir, die wir stark in der Reformation verwurzelt sind.
John Sedrak: Ja, darauf sind wir auch stolz. Der Kirchenvater Athanasius ist eine große Säule der Koptischen Kirche.
Und ganz wichtig ist uns die Weihnachtsgeschichte. Wir feiern Weihnachten am 7. Januar. Schließlich sind Maria und Joseph mit dem Jesuskind wegen Herodes nach Ägypten geflohen. Dort haben sie Schutz gefunden. Es gibt im Süden Ägyptens eine sehr alte Kirche  „Jungfrau Maria“, im Ort Asuot. Dort sollen sie gewesen sein.
Es gibt auch etwas sehr Merkwürdiges an einem anderen Ort. Es ist dort nicht möglich Brot zu backen. In diesem Dorf kann man seit Jahrhunderten kein Brot backen. Es gelingt einfach nicht. Man erzählt, dass die Heilige Familie auf ihrer Flucht in diesem Ort abgewiesen wurde, als sie Brot haben wollte.

Ihr feiert nun regelmäßig auch bei uns in Neubrandenburg Gottesdienst. Was ist dabei besonders und auch anders?
John Sedrak: Unsere Messe ist typisch koptisch traditionell. Es gibt immer ganz viele Kerzen. Sie erinnern uns an die vielen Märtyrer der Kirche, sowohl aus römischer als auch aus arabischer Zeit. Es gibt auch immer ganz viel Weihrauch. Große Bedeutung haben Ikonen und die Kommunion. Vor jeder Kommunion fasten wir 10 Stunden, deshalb gibt es nach jeder Messe ein großes gemeinsames Essen. Die Frauen verhüllen sich mit Tüchern. Unsere Lieder sind koptisch. Als Instrumente gibt es nur Triangel und kleine Becken. Orgeln oder so gibt es nicht. Das ist die traditionelle koptische Musik. Dafür gibt es in Kairo ein Institut.
Für die Messe kommt unser Priester Gergis aus Berlin. Wir nennen ihn „Abbuna - unser Vater“.

Zum Gespräch traf ich mich mit John Sedrak in der Cafeteria unserer Hochschule. Dort absolviert er gerade einen B2-Deutschkurs. Einigen in der Stadt ist er als Künstler mit seinen surrealistischen Bildern bekannt.
(www.john-sedrak.jimdo.com)

Die nächste Koptische Messe findet am Sonnabend, dem 29. Dezember, in der St. Michaels-Kapelle statt. Wir als Neubrandenburger sind immer herzlich mit eingeladen. Die Messe beginnt um 9 Uhr und dauert ca. 3 Stunden, aber keine Angst, man kann auch einfach später kommen und eher gehen. ... Das ist, anders als bei uns, ein Gottesdienst mit Musik zu Beginn und zum Ende.
Vielleicht haben Sie Freude auf dieses Erlebnis. In jedem Fall sind wir willkommen, und das Essen ist traditionell lecker. 

Pastor Jörg Albrecht

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