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Kirchenregion Neubrandenburg

Monatsspruch November 2014

Lernt, Gutes zu tun!
Sorgt für das Recht!
Helft den Unterdrückten!
Verschafft den Waisen Recht,
tretet ein für die Witwen!

Jes. 1,17

Liebe Leserinnen und Leser,
vor ein paar Tagen habe ich mich wieder einmal darüber sehr geärgert, wie man mit „sowas nur durchkommen kann“. Offensichtlich „war da was faul“, doch nach Recht und Gesetz war alles korrekt. Dass Recht (zum Glück sind wir ein Rechtsstaat) und Gerechtigkeit manchmal weit auseinander liegen, wissen wir, spüren wir, damit müssen wir umgehen. Ich bin froh, dass wir jedoch in diesem Land leben, in dem bei aller Unvollkommenheit versucht wird, Recht und Gerechtigkeit möglichst nah beieinander zu halten.

In diesem Gemeindebrief geht es viel um den Herbst 1989. „Schwerter zu Pflugscharen“ war ein Symbol der Jahre zuvor. Diese Vision des Propheten Micha inspirierte Christen, nicht nur und erst auf die Vollendung dieser Hoffnung zu warten, sondern heute damit zu beginnen, Reich Gottes unter uns beginnen zu lassen.
Das Wort des Monatsspruches ist kein Wort für die Ewigkeit, es geht weder um Hoffnung noch um Trost. Es geht vielmehr um den Gottesdienst. Der Prophet kritisiert eine Haltung von Menschen, die vieles tun und vieles formal sogar richtig machen.
Im Alten Bundesvolk opfern sie, breiten ihre Hände zum Gebet aus, mit Räucherwerk verbreiten sie einen wohligen Geruch, der einem in die Nase steigt. Aber trotzdem stinkt es bei ihnen. Ihre Opfer sind eher billige Almosen. Formal machen sie vieles korrekt, aber ihr Herz ist weder bei Gott noch bei den Menschen. Sie fühlen sich selbst gerecht und missachten das Recht der Waisen und Witwen. In damaliger Zeit gehörten diese zu den Ärmsten der Armen, niemand kümmerte sich um sie, sie hatten keine Lobby. Niemand hat sich für sie eingesetzt.

Jeder Mensch, jeder von uns kann einmal in eine Lage kommen, in der er sich nicht unmittelbar selbst helfen kann. Allein die Vorstellung dazu treibt uns manchmal den Angstschweiß auf die Stirn. Sofort kommen bei manchen Menschen Gedanken wie: „Dann will ich aber vorher Schluss machen“. Ist es Angst, es könnte niemanden geben, der es auch dann noch gut mit einem meint? Furcht, weil alle nur auf sich selbst bezogen leben?
Ungern rede ich mit Ausrufezeichen. Diese drei Ausrufezeichen heute gibt uns die Bibel auf. Hier werde ich hinterfragt- mit meiner Haltung und meiner Einstellung. Und hier wird uns vor Augen geführt, wie ein Gottesdienst aussieht, „an dem Gott Gefallen hat“, nämlich Gutes tun und es lernen, den Unterdrückten zu helfen, den Hilf- und Rechtlosen Recht zu verschaffen.

Dabei können wir uns nicht herausreden mit der Ewigkeit, „von wegen einmal, dann wird´s schon gut sein.“ Nein! JETZT geht es ums JETZT! Heute! Gefragt sind wir, Verantwortung zu übernehmen, aufzustehen, einzustehen.
Liebe Leserinnen und Leser, ein Wort meiner gläubigen Großmutter ist in unserer Familie ein geflügeltes Wort geworden: „Wo bleibt das Praktikum?!“

               Einen schönen Herbst!
               Herzlichst Pastor Jörg Albrecht

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