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Kirchenregion Neubrandenburg

Maria Himmelfahrt

Maria Himmelfahrt, Anfang 18. Jh.

Im Bestand des Regionalmuseums Neubrandenburg befindet sich mit dem Relief Maria Himmelfahrt ein außergewöhnliches Sakralkunstwerk. Das barocke, einst farbig gefasste Bildnis war offenbar das Hauptfeld eines katholischen Marienaltars. Gezeigt wird die in den wolkenreichen Himmel entschwebende Maria, umgeben von neun Putten (ital.: Knaben). Die Herkunft der etwa 250 cm hohen Schnitztafel ist unbekannt. Stilistisch steht die aus Lindenholz gefertigte Arbeit dem Werk des in Mainz tätigen Bildhauers Franz Matthias Hiernle (1677-1732) nahe.

Im Christentum spielt Maria als Mutter des Gottessohnes Jesus eine herausragende Rolle. Zahlreiche Schriften berichten über ihre Lebensgeschichte und große religiöse Bedeutung. Den Abschluss der sakralen Verehrung bildet der Tod Marias, dem die Himmelfahrt folgt. Dieses wichtige Ereignis der Heimkehr feiert die christliche Gemeinschaft seit dem Jahr 582 am 15. August. Schließlich wurde das Mysterium der leiblichen Aufnahme Marias in dem Himmel von Papst Pius XII. am 1. November 1950 zum Dogma (altgr. Lehrsatz, Gesetz) der römisch-katholischen Kirche erklärt.

Die Darstellung des Themas „Maria Himmelfahrt“ zählt zu den ausdruckstarken Motiven der geistlichen Kunst. Die Entstehung eines eigenen Bildgenres erfolgte in Italien. Eine wegweisende Wiedergabe dieses Ereignisses schuf der Renaissancemaler Tizian mit dem Altarbild „Assunta“ (1516-18) für die Frari-Kirche in Venedig. Das in kräftigen Farben gehaltene Werk zeigt in sehr bewegter Form wie die zum Himmel auffahrende Heilige in Wolken gehüllt von Putten getragen wird. Die katholische Kirche erhob das Marienbild im Zeitalter der Glaubensspaltung zum Zeichen der Gegenreformation, sodass die „assumttio Mariae“ im Barock eine Neubelebung fand.

Das in der Neubrandenburger Museumsausstellung präsentierte Meisterwerk ist ein Vertreter dieser Epoche. Die Plastizität der ausgearbeiteten Figuren belebt die Oberfläche. Im Zentrum der Szenerie schwebt Maria mit angezogenen Beinen. Sie trägt ein gegürtetes Kleid sowie einen locker wehenden Umhang, den eine Brosche auf der Brust arretiert. Das Kleinod ist mit einem rechteckigen Stein und Perlen besetzt. Den Kopf trägt sie seitlich, das Antlitz keusch von dem zu Erwartendem abgewandt. Ihre Hände sind zum Gebet gefaltet. Der Körper der Aufsteigenden wirkt insgesamt spannungsgeladen; der markante Faltenwurf der Kleidung unterstreicht die Dramatik.

Die im Wolkenmeer befindlichen Putten sind mit Bedacht eingefügt. Zwei von ihnen stützen Maria mit ausgestreckten Armen. Den Trägern zugewandt blickt ein Putto von Mitte links aus den Wolken. Darüber schwebt ein Putto, der als Himmelsbote mit der Wiederholung des Betgestus die Feierlichkeit des Ereignisses hervorhebt. Drei weitere, im oberen rechten Tafelfeld schwebende Putten betrachten Maria andächtig. Zu ihren Füßen befindet sich ein besonderes Puttenpaar, das abwärts blickt. Es stellt den Blickkontakt zum Betrachter her und erlaubt so die Teilhabe am göttlichen Vorgang.

Text: Rainer Szczesiak, Roga
Foto: Regionalmuseum Neubrandenburg

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