MENU NEWS


Kirchenregion Neubrandenburg

Foto: Ralf von Samson

Mein Garten

Gartenerinnerungen gehören von klein auf zu meinem Leben dazu. Und so wie sich das Leben entwickelt, hat sich auch mein Verhältnis zum Garten verändert. Dabei ist es, wenn ich es recht betrachte, gar nicht grundsätzlich anders geworden, es ist nur gewachsen.
Zu meiner Kindheit gehören Bienenstiche im Garten, nicht der Kuchen, sondern die echten, die weh tun. Unser Garten war der vorletzte vor der Wiese, und auf der letzten Parzelle hatte der Nachbar seine Bienen. Das bescherte meinen Eltern zwar Honig, aber für mich als Kind war das kein Ausgleich für jährlich mehrfache Stiche.
Schon während der Studienzeit hatte ich dann das große Glück ein wenig Grün am Haus zu haben. Der alte Birnenbaum in seiner Blüte, die leuchtend- orangefarbenen Lampionblumen oder überbordende Mengen von Perlhyazinthen am Weg zur Haustür gehören zu den Erinnerungen dieser Jahre. Vielleicht nicht alle, aber viele werden solch kleine beschauliche Erinnerungen und Freuden mit mir teilen.
Heute gehören der Garten und auch die Gartenarbeit zu meinen persönlichen Kraftquellen.
Natürlich gibt es immer was zu tun. Doch es ist eine wunderbare Arbeit, Arbeit die man sieht. Neben viel Herz- und Kopfarbeit ist es der richtige Ausgleich in anstrengenden Zeiten.
Vor allem gibt es immer etwas zu entdecken. Und neu zu lernen.
Über Pflanzen und über Garten, aber auch von den Pflanzen und vom Garten. Je mehr ich mich damit befasse, umso mehr verstehe ich, warum Jesus auch so oft die Natur in seinen Bildern und Gleichnissen verwandt hat.
Alles hat seine Zeit. Es hat keinen Sinn, Samen und Pflanzen in die Erde zu bringen, wenn ihre Zeit noch nicht gekommen ist. Jeder, der dachte, er könne die Gurken- oder Zucchinipflanzen 3 bis 4 Wochen eher in den Boden bringen, wird wissen, was ich meine.
Alles hat seine Zeit. Das heißt auch, dass alles Zeit braucht - zum Wachsen und zum Werden. Jeder, der eine Hecke, Apfelbäume oder Sträucher gepflanzt hat, wird wissen, was ich meine. Die ersten Jahre gehen in das Wurzelwachstum. Und erst, wenn die Pflanze gut gewurzelt ist, ist ein Stück mehr Sicherheit da, dass sie Trockenphasen besser übersteht, dass mehr Kraft in das Wachstum und in die Früchte oder in die Blüten gehen kann.
Und ja,… das alles dauert seine Zeit. Mein Garten lehrt mich Geduld und warten können. Und beobachten. Nicht jeder Pflanze, nicht jeder Blume gefällt der Standort und der Boden. Als Gärtner muss ich dies akzeptieren, und ich lerne, so ist es auch im Leben, bei uns Menschen. Die schönste Blüte wird nicht blühen, wenn das Umfeld nicht stimmt, wenn Boden und Sonnenlicht nicht passen. Aber jeder von uns kann wunderschön blühen, kann beste Früchte bringen, wenn ein aufmerksamer Gärtner nur entdeckt, was wir brauchen und welche Bedingungen zu uns passen.
Das heißt für mich auch, ich muss akzeptieren, dass in meinem Garten nicht alles wachsen wird, auch wenn ich mir dies und jenes wünsche. Ich kann wohl für eine Zeit Lebensbedingungen künstlich verändern, aber sobald ich damit aufhöre, wird es meiner Pflanze nicht gut gehen. Und das ist anstrengend.
Zugleich aber will ich auf das achten, was von Natur aus wächst, was schon da ist. Wenn ich merke, dass diese Pflanze in meinem Garten einen natürlichen Raum hat, dann kann sie blühen und mich erfreuen.
Der ideale Garten für mich? Die Mischung aus allem. Gepflegt und natürlich gewachsen, gepflanzt, gesät und gedeihen gelassen. Rasen frisch gemäht und wilde Wieseninseln mittendrin. Da sage noch einer, das ist nicht wie im Leben.

Pastor Jörg Albrecht

zurück