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Kirchenregion Neubrandenburg

Vom Miteinander der Generationen

Oft erzählen mir Freunde, die aus dem Urlaub zurückkehren, von den Großfamilien, die sie als Gastgeber angetroffen haben, und berichten mit leuchtenden Augen von dem Großvater, der aus seinem Leben erzählt, und von der Großmutter, die im Haushalt hilft und Essen für alle kocht. Und von den Kindern, die da so geborgen sind, weil immer jemand ansprechbar ist. Dann kommt mir in den Sinn, was ich so oft von den Älteren in den Heimen höre: Dass die Generationen auseinander gerissen sind.

Ja, auch ich beobachte, dass die Lebenswelten von Menschen verschiedener Altersstufen immer unterschiedlicher werden. Zugleich schwinden die sozialen Bereiche, in denen sich Jung und Alt begegnen können. Die Familien werden kleiner, Junge und Alte wohnen getrennt. Dadurch haben sie keine Berührungspunkte und wissen wenig voneinander.

Das gilt auch für die Beziehung zu Gott. Gott ist immer der Gott der drei Generationen. Er hat sich dem Volk Israel als der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs offenbart.
Neulich las ich in einer Statistik. Mit Zahlen wurde belegt, wie wichtig die Familie und das Miteinander der Generationen sind, wenn Kinder den Weg zu Gott finden sollen.
Ganz wichtig sind Mütter (71%), Väter (55%) und die Großeltern (44%), selbst in Familien, die ohne Kirche großgeworden sind hier im Osten, gewinnen hauptsächlich durch die Großeltern (9%) und die Mutter (12%) viele eine positive Einstellung gegenüber Kirche und Religion.
Das Volk Gottes hat es nach der Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar auf harte Weise erleben müssen. Im Land waren die Alten und die einfachen Arbeiter geblieben. Kein Priester hielt mehr Gottesdienst. Und trotzdem hielt Gottes Volk an Gott fest. Die Ältesten trugen die Verantwortung für das Zusammenleben, und sie brachten den Kindern und Erwachsenen die Lieder bei und erzählten die Geschichten von Gottes großen Taten.

„Was wir gehört haben und wissen und unsere Väter uns erzählt haben, das wollen wir nicht verschwei-gen ihren Kindern; wir verkündigen dem kommenden Geschlecht den Ruhm des HERRN und seine Macht und seine Wunder, die er getan hat. Er richtete ein Zeugnis auf in Jakob und gab ein Gesetz in Israel und gebot unsern Vätern, es ihre Kinder zu lehren, damit es die Nachkommen lernten, die Kinder, die noch geboren würden; die sollten aufstehen und es auch ihren Kindern verkündigen, dass sie setzten auf Gott ihre Hoffnung und nicht vergäßen die Taten Gottes, sondern ­seine Gebote hielten.“ (Psalm 78, 3-7)
Wir dürfen es vom Volk Gottes lernen, denn auch das Christentum ist immer eine Generation vom Aussterben entfernt: Gott hat keine Enkel! Durch unsere Gebete und unseren Lebensstil können wir Glaubensgrundlagen legen.
Doch wie geht das, wenn unsere Familien so auseinandergerissen sind? Wenn die Kinder und Enkel in anderen Ländern ihr Auskommen finden?

Dazu fand ich zwei schöne Beispiele:
Drei alte Damen aus einem Stuttgarter Altersheim gaben eine Anzeige auf: „Wenn Mutti mal nachmittags zum Stadtbummel möchte? wir beaufsichtigen ihre Kinder für einige Stunden.“ Die Damen erhielten 130 Zuschriften. Sie suchten sich die Familien aus, die bis zu drei Kinder hatten und in der Nähe des Altersheimes wohnten. Bald fühlten sie sich in „ihren“ Familien so wohl, dass weder die Familien noch die guten Omis wegzudenken waren. Sie wurden nicht nur zum Babysitten geholt, sondern auch mal zu Sonntagsausflügen ins Grüne mitgenommen.
Im Haus zog eine junge Familie ein mit ihrem anderthalb Jahre alten Sohn. Das ältere Ehepaar im Erdgeschoss schloss den Kleinen ins Herz. „Mein Traumenkel“, sagt die Frau immer. Inzwischen läuft der Junge. Und wenn er ins Haus kommt, klopft er kräftig an der Türe des Ehepaars. „Opa!“, ruft er und weiß genau, wo „Oma“ die Keksdose hat. Die jungen Eltern freuen sich darüber. Die leiblichen Großeltern leben weit entfernt. „So hat der Kleine doch auch hier Großeltern, die für ihn da sind“, sagt die Mutter erleichtert.

Es braucht solche echten Begegnungen zwischen den Generationen. Daraus kann dann eine lebenslange Beziehung wachsen. Auch eine geistliche Beziehung, in der unsere eigene Gottesbeziehung durch den Austausch und die Erfahrungen des anderen wachsen kann.

Katharina Seuffert

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