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Kirchenregion Neubrandenburg

Du sollst nicht begehren, was deinem Nächsten gehört

(Die Zehn Gebote)

(oder  in der Lutherübersetzung: Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, Frau, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was sein ist.)
Dieses Gebot kommt immer so harmlos daher: „Ach, begehren nur, das tut ja keinem weh, das merkt ja keiner!“ Wirklich nicht?

Natürlich, Begehren ist erst mal nur ein „Gedankenverbrechen“, trotzdem soll der Mensch nicht einmal daran denken, etwas zu wollen, was ihm nicht gehört. Allzu schnell zieht es andere, schwerer wiegende Übertretungen nach sich. Die Bedrohung des Eigentums beginnt ja nicht erst mit der konkreten Handlung, sondern setzt schon viel früher ein, und groß ist der Schritt nicht vom bloßen Begehren hin zum Stehlen oder zum Ehebrechen.
Aber erst mal sind es „nur“ innere Beweggründe, eine falsche Haltung zum Eigentum anderer, die in diesem Gebot untersagt werden. Als Mose von Gott die Gebote erhielt, da war er mit den Israeliten auf Wüstenwanderung, 40 Jahre sollte sie dauern, eine lange Zeit. Klar, dass die Menschen gewisse Regeln für diese Zeit brauchten. Die Regeln, die in Ägypten galten, waren ja nicht mehr da, aber das Leben sollte dennoch geordnet und gut verlaufen. Drei  Monate waren sie erst unterwegs und schon schien das Chaos perfekt zu sein, warum sonst hätte Gott so schnell diese Lebensregeln aufstellen sollen. Natürlich frage ich mich immer, was es denn in der Wüste zu begehren gab. Bei Auszug oder Flucht kann ja nicht allzu viel mitgenommen werden und das Haus, das es nicht zu begehren gilt, dürfte wohl eher ein Zelt gewesen sein. Sicher gab es ein paar Unterschiede, aber längst nicht so ausgeprägt wie heute. Trotzdem: wer begehrlich  auf die schöne Frau des Nachbarn schaute oder auf deren Goldschmuck, der konnte schon manchen beunruhigen, am allermeisten vielleicht sich selbst, denn dieses Gebot ist auch zum Selbstschutz da. Wer sich immerzu nach etwas sehnt, was andere haben (oder vermeintlich haben), der kann nicht anders, als unzufrieden, ja  unglücklich zu werden. Das ist heute nicht anders als damals in der Wüste, nur gibt es heute sicher weitaus mehr, was begehrt wird.
Da sind zum einen die materiellen Dinge, auf denen der begehrlich-neidische Blick ruht: die Villa des Kollegen, die tollen Kleider der Freundinnen, das Reitpferd, das die Nachbarstochter zum Geburtstag bekam, der unbeschwerte Umgang mit Geld, weil einer genug davon hat etc. Manch neidischer Blick hat dramatische Folgen: man verschuldet sich, um mithalten zu können. Aber auch auf ganz andere „Güter“ kann der begehrliche Blick schauen: die Intelligenz, die jemandem in die Wiege gelegt wurde, die künstlerische Begabung, die Schönheit, die viele Blicke auf sich zieht… Das alles führt zu einer großen Unzufriedenheit und nährt das Gefühl, dass man selber zu kurz gekommen sei, auch wenn es gar nicht so ist. Trotz eines Lebens im Wohlstand fühlt sich dann so mancher als armer Schlucker. So soll es eben nicht sein, sagt Gott.
Natürlich stellt sich so ein begehrender Blick mitunter von ganz alleine ein, Gott wusste das,  deshalb lenkt er mit diesem Gebot den Blick darauf:  gebt dem Begehren keinen Raum in eurem Herzen, denn es macht euch selbst und andere unglücklich. Gott, so denke ich mir, will uns gemeinschaftsfähig, zufrieden und eben auch glücklich sehen.

Erika Gebser

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