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Kirchenregion Neubrandenburg

... auch ein Wahrzeichen Neubrandenburgs
Hyparschalendach, Stadthalle Neubrandenburg

Liebe Leserinnen und Leser,
das Regionalmuseum Neubrandenburg widmet sich in den Wintermonaten den baulichen Spuren , die besondere und namhafte Architekten in unserer Stadt hinterlassen haben. In den vergangenen Monaten fanden dazu begleitende Veranstaltungen u.a. zu dem Hyparschalendach der Katholischen Kirche und zum Architekten der St. Michaelskapelle Prof. Otto Bartning statt. Letzterer ist mit dem Bau der Kirche auch ein Teil der Sonderausstellung des Museums.
Hier finden Sie den Beitrag und den Hinweis des Regionalmusueums.

Nur Beton? Moderne in Neubrandenburg

Neubrandenburg ist ein klassisches Beispiel für die Architektur der Ostmoderne, jener Zeit ab 1960, die mit ihren Stadterweiterungen, Neubauten und einzelnen herausragenden Gebäuden bis heute stadtbildprägend ist. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Bauakademie entstand hier beim hiesigen Wohnungsbaukombinat die Wohnungsbauserie 1970, und 1972 wird in der Neubrandenburger Oststadt der erste WBS-70-Block der DDR errichtet. Das erste elfgeschossige Hochhaus der WBS 70 folgt wenig später.
Wenngleich die Wiederaufbaujahre geprägt waren durch die architektonische Doktrin der Nationalen Tradition und den „16 Grundsätzen des Städtebaus“, was insbesondere in der Neubrandenburger Innenstadt für Architekturinteressierte zu erleben ist, so dominiert die „Platte“ bis heute Neubrandenburg und zahlreiche Städte der ehemaligen DDR. Zwischen der mitunter monotonen Eintönigkeit der Plattenbausiedlungen finden sich jedoch Bauten, die herausstechen.
Das 1963 bis 1965 gebaute Haus der Kultur und Bildung mit seinem markanten 56 Meter hohen Hochhaus ist sicherlich ohne Frage die städtebauliche Dominante der Ostmoderne in Neubrandenburg. Der Entwurf für den in Stahlbetonskelettbauweise errichteten Gebäudekomplex stammt von der damals 26 Jahre alten Architektin Iris Grund (*1933), die als spätere Stadtarchitektin die bauliche Entwicklung Neubrandenburgs maßgeblich prägte.
Ebenso beeindruckend sind die kühnen Betonschalenbauten von Ulrich Müther (1934-2007). 1969 wird zum 20. Jahrestag der DDR die Neubrandenburger Stadthalle übergeben. Eine Konstruktion aus vier gleichen sogenannten Hyparschalen Müthers, die trägerfrei eine Fläche von ca. 40 x 40 Meter überspannen. Verantwortlich für den Entwurf ist der Architekt Karl Kraus, der das Gebäude wie eine Skulptur in den Park stellte. Mit der 1980 errichteten katholischen Pfarrkirche St. Josef – St. Lukas findet sich ein zweiter Mütherbau in Neubrandenburg. Mit Heinrich Tessenow (1876-1950) und Otto Bartning (1883-1959) wirkten auch zwei Architekten der klassischen Moderne in Neubrandenburg. Der Reform- und Gartenstadtarchitekt Tessenow erwarb 1919 in der Neutorstraße ein Haus für seine Familie, das er mehrfach umbaute und das sich bis heute erhalten hat. Mit der 1951 im Vogelviertel errichteten Michaelskirche entstand in Neubrandenburg eine Notkirche Typ Diaspora-Kapelle aus dem Notkirchen-Programms des Hilfswerks der Evangelischen Kirche Deutschlands, für das Bartning verantwortlich war. Er gilt als der Vertreter des evangelischen Kirchenbaus und prägte die Architektur des 20. Jahrhunderts nachhaltig.

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