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Kirchenregion Neubrandenburg

Otto Bartning

Ein großer Architekt hinterlässt seine Spuren in Neubrandenburg

Die Kapelle „St. Michael“ im Vogelviertel, gehört zu den sogenannten „Notkirchen“ eines Kirchenbauprogramms der Nachkriegszeit. Ideengeber und Architekt dieses Programms war Otto Bartning (1883- 1959). Sein Name ist vielen Menschen in unserer Stadt oder in unserem Land kaum bekannt. Dabei nennt man Leute wie ihn heute gern „Stararchitekten“.
Eine große Ausstellung in der Akademie der Künste in Berlin hat sich im Frühjahr dieses Jahres für viele Monate seinem Wirken gewidmet. Otto Bartning zählt zu den namhaften und prägenden Architekten einer „sozialen Moderne“, also eines Baustils, der sowohl einfach als auch „menschenfreundlich“ ist. 

Der junge Otto Bartning gehörte zu einer Gruppe von Architekten, die die kaiserlich-wilhelminische Bauweise erneuern wollten. Ab 1918 war er Mitglied des revolutionären „Arbeitsrates für Kunst“. Er entwickelte für und mit Walter Gropius eine neue Denk- und moderne Bauweise, diese mündete im Stil des Bauhauses. Er schrieb u.a. Lehrbücher neuer Handwerks- und Baukunst.
Schon vor dieser Zeit widmete sich Bartning neuen Ideen des Kirchenbaus.
1919 verfasste er sein Buch „Vom neuen Kirchenbau“, ein Werk, das für das 20. Jahrhundert prägend sein sollte. Seine Idealform einer runden – oder sternförmigen Kirche hat er 1922 entworfen, idealtypisch ist sie nie umgesetzt worden.
Er hielt im Sinne „eines radikalen Programms des protestantischen Kirchenbaus eine Reform der Reformation für unumgänglich und schlichte Einfalt ein Gebot der Gestaltung. Die Kirche als Predigthaus, den Saal als Heim der Gemeinde, so wie die Kirche im Mittelalter Treffpunkt, Aufenthalt und Ruheort der Bürger am Markt war“ (aus dem begleitenden Ausstellungskatalog). Damit hat Bartning mit seinen Kirchbauten umgesetzt, wie er Kirche in ihrem Wesen sah. So hat er mit dem Notkirchenprogramm, nach den Erfahrungen des 2. Weltkrieges, seine Idee einer „einfachen Gemeindekirche“ umgesetzt. Gebaut wurde in variabler und vorgefertigter Holzbinderbauweise. Diese wurden mit heimischen und vorhandenen Baustoffen ausgemauert.
Damit hat er, wie wir heute sagen „regional und nachhaltig“ gebaut. So ist unsere St. Michaels-Kapelle aus den kaputten Ziegeln der zerstörten Marienkirche gebaut.
Otto Bartning wurde nach der Teilung Deutschlands 1950 zum Vorsitzenden des Bundes Deutscher Architekten gewählt. Er vertrat die (westdeutsche) Bundesrepublik international in vielen Bauangelegenheiten.
Er wurde zum Vordenker und Planer der „Interbau 1957“, einer Weltausstellung für Architektur in Berlin. Mit dem Hansaviertel entstand ein sozialer Wohnstandort, wie es ihn zuvor noch nicht gegeben hat und wie er der damaligen Zeit wahrhaft voraus war. Heller, sonniger Wohnraum, einfach in der Struktur, bezahlbar in der Ausführung und trotzdem architektonisch besonders und einmalig. Unter seiner Gesamtleitung ist dieses Berliner Wohnviertel von vielen international bekannten Architekten gebaut worden.
Otto Bartnings Werk geht weit über den Bau von Kirchen und Kapellen hinaus. Er baute Schulen, Wohnheime und Kliniken, er widmete sich Themen wie der „Stadt von morgen“. Otto Bartning hält die Fragen wach: Wie wollen wir bauen? Wie wollen wir leben - mit unseren Bauten?“ Wir sind glücklich, diesen Fragen auch anhand unseres Kirchleins nachgehen zu können. 

Pastor Jörg Albrecht

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