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Kirchenregion Neubrandenburg

500 Jahre Reformation:
Rechtfertigung und Auferstehungshoffnung

„Gott ist die Liebe. Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die völlige Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht hat Pein. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht völlig in der Liebe (1 Joh 4,18).“ So steht es als Kurzformel unseres christlichen Glaubens in der Bibel. Mein Lieblingstext in unserer Heiligen Schrift; die Summe unseres christlichen Glaubensbekenntnisses.

„Gott bietet dem Menschen seine Liebe völlig vorleistungsfrei an“, schreibt Papst Benedikt im Vorwort zu seiner ersten Enzyklika „Deus Caritas Est“. „Wir können den Himmel nicht durch unsere Werke verdienen. Er ist immer mehr, als was wir verdienen, so, wie das Geliebtwerden nie Verdienst, sondern immer Geschenk ist.“ Dies schreibt Papst Benedikt am 30.11. vor genau zehn Jahren in seiner zweiten Enzyklika über die Hoffnung („Spe Salvi“).

Wir Christen glauben an den Gott, der die Liebe ist und uns in Jesus vorgelebt hat, dass er auch Todesangst, qualvolles Sterben und den bitteren Aufschrei des „Warum?“ kennt. Christen nehmen den Tod als endgültiges Ende eines Lebens ganz ernst. Sie lieben das Leben, nicht den Tod. Aber das Leben lieben kann nur, wer zu sterben weiß. Wer sich an das Leben klammert um jeden Preis, wer es auskosten will bis zur Neige, den hält die Todesangst im Würgegriff.

Das irdische Leben wird durch den Tod beendet. Es findet keine Fortsetzung über den Tod hinaus statt. Dennoch behält der Tod nicht das letzte Wort. Es ist dieses irdische Leben, das vom liebenden Gott vollendet und verwandelt wird. „Ewiges Leben“ ohne Raum (im Himmel ist es nicht „voll und überfüllt“, der Himmel ist nicht „oben“) und ohne Zeit (im Himmel ist es nicht „langweilig“) meint ein Leben in vollkommener Gemeinschaft mit Gott. Das ewige Leben gewinnt Gestalt bereits im zeitlichen Leben in dem Maße, in dem wir es mit Gott gestalten: Glaube, Hoffnung und Liebe. 

Christen glauben einzig und allein an Gott, nichts sonst; nicht an die Ewigkeit des Geistes und die Unsterblichkeit der Seele, nicht an die Ewigkeit der Materie und den sich erneuernden Kreislauf der Natur. Sie hängen, wie Luther sagt, ihr Herz ganz und gar an Ihn, und sie tun das im Vertrauen auf Jesus Christus. Wer glaubt, setzt im Leben wie im Sterben ganz auf Gott, der die Liebe ist. Niemand und nichts in der Welt verdient solches Vertrauen. Martin Luthers Ringen um einen gnädigen Gott sowie um die Frage, wie wir denn als bettelarme Sünder vor dem unendlichen Gott gerechtfertigt würden, führt notwendigerweise in den Tempel, den Jesus im Evangelium von den Händlern reinigt – so wie Luther uns vor 500 Jahren reinigte vom Ablasshandel: Bei Gott gibt es nichts zu verdienen. Mit Gott führen wir, wie Paulus nicht müde wird zu betonen, keinen Handel. Gott ist kein Wunschautomat, in den wir unsere Wünschemünzen einwerfen, damit unten im Ausgabeschlitz das erbetene Produkt ausgeworfen wird. Rechtfertigung geschieht nicht aus Leistung, nicht durch unsere guten Werke. Einen gnädigen Gott „verdienen“ wir uns also nicht – Gott ist in seinem Wesen vielmehr die Gnade selbst. 

Gott ist in sich Liebe, die sich verschenkt, die sich verdankt und über sich hinauswächst. Und weil Gott besser ist als der beste Mensch, den wir auf Erden kennen, liebt er die ganze Welt. Gott hat nicht nur ein Kind, sondern nennt alle Geschöpfe seine geliebten Kinder. Jedes neu geborene Kind wird in eine Welt hineingeboren, die von Ewigkeit her von Gott geliebt („in Christus geschaffen“) ist – man kann dieses ewige Geborgensein unserer Schöpfung „Erbgnade“ nennen. In den Kirchenliedern „Ich steh´an deiner Krippen hier“ von Paul Gerhardt („Da ich noch nicht geboren war, da bist du mir geboren und hast mich dir zu eigen gar, eh‘ich dich kannt‘, erkoren“) und „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ von Philipp Nicolai („Herr Gott Vater, mein starker Held, du hast mich ewig vor der Welt in deinem Sohn geliebet“) kommt diese Gnadentheologie, die Paulus immer wieder in seinen Briefen meditiert, besonders schön zum Ausdruck.  Diesen vorleistungsfrei liebenden Gott dürfen wir gemeinsam mit Jesus „Abba, Vater“ – wie im Vaterunser - nennen. So vertraut - liebevoll, wie ein Sohn oder eine Tochter am Anfang des Lebens zu den Eltern spricht. Mit so einem Urvertrauen: „Du wirst mich nie fallen lassen, Du liebst mich immer, bedingungslos, ohne Leistung“ - das war das Herzensanliegen Jesu. 

Und dieser Gott, der mich von Ewigkeit her will und in dessen wundgeliebten Händen mein Name eingeschrieben ist, lässt mich doch nicht im Todesaugenblick ins Nichts fallen; nein, dieser in uns bettelarme Geschöpfe verliebte himmelreiche Gott hebt, wie es uns im Evangelium „Jesus und die Ehebrecherin“ offenbart wird, mein Leben im Tod auf: Er bewahrt (hebt auf), was gut war; er vergibt und tilgt (hebt auf), was nicht gut und damit Sünde war; er richtet empor (hebt auf), was mich niederdrückt und meine Würde verdunkelt hat. Jesus achtet den Sünder, aber ächtet die Sünde. Dieses Wortspiel hilft mir immer zu verstehen, wie Gott an den Menschen handelt: Er achtet den Sünder, aber mit ihm gemeinsam ächtet er die Sünde. Sein Zorn richtet sich nie gegen den Menschen, sondern immer gegen das, was er tut. Unsere Umkehr und unser Neubeginn (die sogenannten „Werke“ in der Rechtfertigungslehre) sind eine Folge dieser vorleistungsfreien Liebe Gottes, nicht aber eine Bedingung dafür, dass er uns annimmt und liebt. Die Bilder einer Höllenstrafe haben hier ihre elende Ursache: Würde sich der Zorn Gottes gegen den Sünder richten, käme dieser zur Bestrafung „in die Hölle“. Weil sich aber Gottes Zorn gegen das richtet, was der Sünder tut, brauchen wir uns vor einer ewigen Verdammnis nicht zu fürchten. Jesus möchte, dass wir der Liebe die Ehre geben, während wir tagaus, tagein zu wenig lieben, also sündigen. Doch verliert Gott seinen Glauben an uns niemals! 

Himmel und Hölle sind keine Alternativen: „Hölle“ meint vielmehr die Freiheit des Menschen, ohne diesen Gott zu leben, und damit einen Selbstausschluss von der Liebe, den Gott erträgt – keine Bestrafung. Und „Gericht“ meint keine Urteilsverkündung im Sinne der Gerechtigkeit, sondern die Erfahrung des Menschen am Ende unseres Lebens, von unserem Schöpfer „aufgerichtet“ zu werden und Vergebung und Vollendung zu erfahren. Das „Fegefeuer“ meint, so Papst Benedikt in seiner Hoffnungsenzyklika wörtlich, Christus selbst; „das Begegnen mit ihm ist der entscheidende Akt des Gerichts. Vor seinem Anblick schmilzt alle  Unwahrheit. Die Begegnung mit ihm ist es, die uns umbrennt und freibrennt zum Eigentlichen unserer selbst. Unsere Lebensbauten können sich dabei als leeres Stroh, als bloße Großtuerei erweisen und zusammenfallen. Aber in dem Schmerz dieser Begegnung, in der uns das Unreine und Kranke unseres Daseins offenbar wird, ist Rettung. Sein Blick, die Berührung seines Herzens heilt uns in einer gewiss schmerzlichen Wandlung, wie durch Feuer hindurch. Aber es ist ein seliger Schmerz, in dem die heilige Macht seiner Liebe uns brennend durchdringt, so dass wir endlich ganz wir selber und dadurch ganz Gottes werden.“ 

Gott wartet auf uns, weil er uns liebt – und nicht, weil er uns bestrafen will. So hat es Jesus zum Beispiel verkündet, als er den heimkehrenden „verlorenen Sohn“ in die Arme des sehnsüchtig wartenden „barmherzigen Vaters“ rennen lässt.

Ich wünsche uns in diesem Jubiläumsjahr „500 Jahre Reformation“, über Sterben und Tod neu ökumenisch ins Glaubensgespräch zu kommen. Es lohnt sich, todsicher.

Herzlich Ihr und Euer
Felix Evers

 

Veranstaltungen

• Donnerstag, 22. Juni, 19 Uhr, St. Josef und St. Lukas
Wir kommen ALLE in den Himmel
Gesprächsabend über Himmel – Hölle – Fegefeuer

• Sonntag, 2. Juli, 10 Uhr, St. Johannis
„Wir kommen ALLE in der Himmel“ Gottesdienst zum Thema „Himmel – Hölle – Fegefeuer“

• Sonntag, 27. August, 10 Uhr, St. Johannis
Ökumenischer Gottesdienst zum Stadtfest

• Freitag, 8. September, 19.30 Uhr, St. Johannis
Jedermann
Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg

• Sonntag, 10. September, 17 Uhr
Beginn in St. Johannis – Ende in St. Josef und St. Lukas
Ökumenischer Orgelspaziergang zum Tag des Offenen Denkmals/ Deutschen Orgeltages

• Sonntag, 17. September, 10 Uhr, St. Johannis
„Hier stehe ich und kann nicht anders“
Gottesdienst zum Thema Freiheit und Verantwortung

• Samstag, 23. September
Spuren – Suchen und Finden
Ökumenischer Stadtkindertag

• Donnerstag, 28. September, 19 Uhr, St. Johannis
Ökumene in Neubrandenburg – Einheit in Vielfalt
Ein Abend mit allen Kirchengemeinden der Stadt

• Freitag, 29. September, 19.30 Uhr, St. Johannis
Jedermann
Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg 

• Mittwoch, 13. und 20. September
• Mittwoch, 18. und 25. Oktober
„Die Kinokirche in der Kirche“
Filme vom Leben – Eine Filmreihe aus Anlass „500 Jahre Reformation“;
St. Michael in Kooperation mit dem Latücht - 4 Filme in St. Michael jeweils Mittwoch um 19:30 Uhr 

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