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Kirchenregion Neubrandenburg

Der Rosenkranz, lat. paternoster

Ein Rosenkranz der römisch-katholischen Konfession, um 1900

Anfang der 1990er Jahre erwarb das Regionalmuseum Neubrandenburg aus privater Hand einen traditionellen Rosenkranz, um den Bestand kirchlicher Sachzeugen zu vervollständigen. Das etwa 50 cm lange Sakralobjekt besteht aus Eisen- und Messingkettengliedern, an denen ein Kruzifix sowie 59 Elfenbeinperlen befestigt sind. 

Die aufwendig mit Ringaugen verzierten Kügelchen stellen Rosenblüten dar, die den Sinngehalt des Rosenkranzes hervorheben. Die thematische Verknüpfung der Gebetskette mit dem Rosensymbol, das für Maria steht, vollzog sich im 15. Jh. Damit steigerte man die geistliche Ausstrahlung der ursprünglich schlicht gehaltenen Zähl- und Andachtskette, deren Ursprung in der orientalischen Welt liegt. Als erste nutzten die orthodoxen Christen im Mittelmeerraum eine geschlossene Knotenschnur zur Verrichtung spezieller Jesusgebete. Kreuzzugsteilnehmer und Pilger brachten den religiösen Brauch später nach Europa, wo sich ein eigenständiges Rosenkranzgebet herausbildete. In ihm besitzen die Marien- und Jesusverehrung eine zentrale Bedeutung.
Die Materialgestaltung des Rosenkranzes hing von der sozialen Stellung der Nutzer ab. Für die einfache Bevölkerung gab es preiswerte, aus Holz und Bein (Knochen) gefertigte Ausführungen. Demgegenüber bestanden die erlesenen Ketten der wohlhabenden Christen aus Edelmetall, Glas, Elfenbein und Edelsteinen. Der komplette Rosenkranz hat 59 Perlen. Sie bilden einzelne Partien, die längere Kettenglieder bzw. gesonderte Perlen voneinander trennen. Der Kettenkreis enthält fünf Abschnitte (Gesätze) mit insgesamt 50 Perlen und fünf Trennperlen. An einer von diesen ist ein kurzes Teilstück befestigt. Es besteht aus drei Abschnittsperlen, einer weiteren Trennperle sowie einem Kreuz. Von dieser Stelle aus beginnt das Rosenkranzgebet, das mit dem Kreuzgestus (Vater, Sohn und Heiliger Geist) und dem apostolischen Glaubensbekenntnis einsetzt. Anschließend lässt der Gläubige die einzelnen Perlen nacheinander durch die Finger gleiten und spricht dabei Gebete, die geistliche Themen des Neuen Testamentes enthalten. An den Übergängen folgen das Vaterunser sowie separate Gottes, Mariä und Jesu Anrufungen.
Im Spätmittelalter erfreute sich die volksnahe Andachtsform großer Beliebtheit. Das religiöse Potential der Rosenkranzverehrung blieb der Kirche nicht verborgen. 1468 begründete der Dominikaner Alanus de Rupe in Flandern die Rosenkranzbruderschaft. Ein Ableger der Gemeinschaft existierte von 1488 bis zur Reformation in Friedland. Die an der dortigen St. Marienkirche angesiedelten Laienbrüder förderten mit der Verkündigung des Rosenkranzgebetes die Glaubensvertiefung. Das Wirken wurde 1496 vom Kamminer und Havelberger Bischof gewürdigt. Sie gewährten allen Teilnehmern an den klerikalen Veranstaltungen einen Ablass von 40 Tagen. Auch im Neubrandenburger Franziskanerkloster ist der Gebrauch des Rosenkranzes verschiedentlich nachgewiesen. Reste von ihnen traten in Form einzelner Glas- und Karneolperlen bei den Ausgrabungen auf dem nördlichen Kreuzhof zutage. Weiterhin ist überliefert, dass in der Klosterkirche St. Johannis drei holde Marienbilder mit […] etlichen Paternosterperlen aus Bernstein behangen standen. Die der Bevölkerung zugewandten Franziskaner schätzten den sakralen Glanz der Rosenkranzmadonnen, die mit prächtigem Gepräge öffentlich gezeigt wurden.
Bis heute ist die Rosenkranzverehrung in der römischen Glaubensauslegung tief verwurzelt. Das meditative, sich wiederholende Gebet mit der Perlenschnur wird individuell oder gemeinschaftlich ausgeführt. Dabei bilden regelmäßig stattfindende Rosenkranzfeste im Mai (Marienverehrung) und im Oktober (Rosenkranzmonat) besondere kirchliche Höhepunkte.

Bild: Der Rosenkranz, lat. paternoster (abgeleitet vom Vaterunser-Gebet), ist in der Museumsschau im Nordflügel des Neubrandenburger Franziskanerklosters ausgestellt.

Text: Rainer Szczesiak, Roga
Foto: Ralf Bruse, Regionalmuseum Neubrandenburg

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