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Kirchenregion Neubrandenburg

Verena von Samson, 2. Mose 15,2

Meine Stärke und mein Lied ist der HERR, er ist für mich zum Retter geworden.

Da gibt es diesen Moment, wenn die Last von der Seele abfällt und das Leben ganz leicht wird. Dann drängt es aus der Tiefe heraus. Will ans Licht. Will hörbar werden. Da hat sie angefangen zu singen: Du meine Seele singe, wohlauf und singe schön. Sie hat auf ihrem Bett gesessen und gesungen. Voller Dank darüber, dass Gott sie bewahrt hat. Die Schwester hat gestaunt: Glauben Sie das denn wirklich? Ja, hat sie gesagt, das glaube ich wirklich. Sie war gestürzt. Die Beine hatte es ihr weggezogen. Die Knochen, in denen schon ein ganzes Leben steckt, waren entzwei. Komplizierte Angelegenheit - sagen die Ärzte. So hat sie da gelegen. Hat an das Ende gedacht: Das Ende ihrer Selbstständigkeit und ihres Lebens. Aber Gott hat geholfen. Hat die Hand der Ärzte geführt. Wenige Tage später läuft sie schon wieder über den Flur. Das neue Hüftgelenk hat es möglich gemacht. Sie sagt: Da musste ich einfach singen.
Meine Stärke und mein Lied ist der HERR, er ist für mich zum Retter geworden.

Mose singt mit dem Volk, singt und tanzt: Denn Gott hat ihnen die Last der Angst vom Herzen genommen. Die Sklaven sind ihren Ketten entkommen. Sie sind gerannt bis zur Küste des Meeres. Die Sklaventreiber sind ihnen gefolgt. Mit seiner ganzen Armee hat der Pharao ihnen nachgejagt: Ihr entkommt uns nicht! Da haben sie gestanden: Hinter ihnen die Gewalttäter mit ihren Waffen, vor ihnen die Massen des Meeres. Alles scheint zu Ende. Aber Gott hat sie gerettet. Unglaublich: Die Wasser des Meeres haben sich geteilt. Das Volk ist durch das Meer hindurch geflohen. Die Soldaten des Pharao sind ihnen auf den Fersen geblieben. Aber kurz bevor sie das Volk erreichen, schlägt das Meer zurück. Die Armee versinkt im Meer. Die Hand, die zuschlägt, sie versinkt und mit ihr die Angst, die das Herz gefesselt hat. Mose beginnt zu singen und das Volk mit ihm: Gott hat uns befreit. Gott hat dieses Lied in mein Herz gelegt!

In den Liedern des Glaubens ist dieser Moment bewahrt. Die Erfahrung des leichten Herzens wird von Mund zu Mund, von Herz zu Herz weitergegeben. So hören wir und spüren, was Gott Großes an unseren Müttern und Vätern im Glauben getan hat. Das gilt für die biblischen Poetinnen und Poeten der Psalmen ebenso wie für die Dichterinnen und Dichter späterer Zeiten: Paul Gerhard, Joachim Neander, Julie Hausmann ebenso wie die Dichterinnen und Dichter der afroamerikanischen Spirituals. Ihre Erfahrungen mit Gott, ihre Hoffnungen, ihren Jubel und ihre Klage über das Unrecht haben sie in Worte gefasst, und musikalisch Begnadete, wie Bach, Schütz, Mendelssohn und Jacques Berthier aus Taizé haben die Gefühle in Melodien gemalt.

So wirken die Lieder auch andersherum: Wer die Lieder von der Befreiung durch Gott singt, spürt, wie sich das Vertrauen auf Gott neu in der ganzen Seele ausbreitet. Wer singt, dem wird es leichter ums Herz – auch wenn sich zunächst an den äußeren Umständen gar nichts geändert hat. Dabei müssen es gar nicht immer Jubellieder sein. Wer Kummer hat, hört traurige Musik und so kann der Schmerz verwehen. Wer sich sorgt, stärkt sich mit dem Vertrauen derer, die vor ihm geglaubt haben: Wirf dein Anliegen auf den Herrn, der wird dich versorgen. Der Ruf nach Gerechtigkeit wird von Generation zu Generation weitergegeben: Brich dem Hungrigen dein Brot. Dem korrespondiert die medizinische Erkenntnis: Singen aktiviert den Blutkreislauf und setzt Glückshormone frei. Im Singen kommen Leib und Seele zum Schwingen. So singt der Glaube und erlebt Gottes Taten: Auf der Kante eines Krankenhausbettes, an der Küste des Roten Meeres, beim Tausch der Eheringe und an den Gräbern. Mit seinem Gesang verändert er die Welt. Wir sind eingeladen einzustimmen.

Einen gesegneten und musikalisch reichen Sommer!
Ihr Pastor Martin Doß

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