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Kirchenregion Neubrandenburg

Unser Abwaschteam
Zwei Italiener, ein Franzose und ich

Meine fünf Wochen in Taizé

Zeit der Stille, des Gebets, der Arbeit und der Gemeinschaft

Zwischen meinem Studium und meinem Beginn in der Friedensgemeinde durfte ich 5 Wochen im französischen Kloster von Taizé verbringen. In diesem Jahr wurde Taizé 75 Jahre alt. Eine große Festwoche Mitte August erinnerte an dieses Jubiläum sowie den 100. Geburtstag des Gründers Frère Roger und dessen 10. Todestag. 2009 war ich das erste (und bisher letzte) Mal für eine Woche in Taizé, was mich bereits damals sehr beeindruckte, und der Wunsch, eines Tages wiederzukommen, vielleicht auch für länger, begann zu wachsen.

Viele, vor allem junge Menschen, kommen für eine Woche nach Taizé, um das klösterliche Leben kennen zu lernen, sich über Bibeltexte auszutauschen, in der Gemeinschaft zu leben, um zu arbeiten und zu beten. Diese drei Elemente, Gebet, Arbeit und Gemeinschaft, welche monastisches Leben definieren, dürfen von diesen Jugendlichen erlebt werden. Bleibt man länger als eine Woche, ist man Freiwillige/r, Volontär oder wie es in Taizé heißt: „Permament“.

Das Leben in Taizé ist einfach. Der Tag beginnt um 8:30 Uhr mit dem Morgengebet, um 9 Uhr gibt es Frühstück, für jeden ein Brötchen, ein Stück Butter und zwei Schokosticks. Am Vormittag ist jeder für einen Dienst für die Gemeinschaft eingeteilt: Toiletten putzen, Mittag vorbereiten, Müll sammeln oder abwaschen. Jeder bringt sich ein. Zum Mittag gibt es ausschließlich Dinge, die man mit dem Löffel essen kann: Reis, Hirse, Graupen oder ähnliches. Nach dem Mittagsgebet gibt es eine Bibeleinfüh-rung eines Bruders mit anschließender Diskussi-onen in internationalen Kleingruppen. Nach dem Abendgebet folgt das Abendessen, und wenn man Glück hat, bekommt man im Oyak noch ein Bier oder einen Wein. Anfang März war es sehr leer in Taizé. Nur ca. 80 Besucher waren auf dem Gelände (in der Karwoche waren 4.000 da). Den Kontakt und den Austausch in den Bibelgruppen mit Menschen aus der ganzen Welt, mit unterschiedlichsten kulturellen Hintergründen empfand ich dabei als sehr spannend und bereichernd.
So sah auch meine erste Woche aus. Auch wenn man länger bleibt, verbringt man die erste Woche wie alle anderen „auf dem Feld“. Nach der ersten Woche verändert sich der Alltag. Man arbeitet mehr, Bibeleinführungen gibt es nur zwei Mal in der Woche und man wohnt mit den „Permanents“ zusammen in einem anderen Haus. Und das Essen wird besser. Der Aspekt der Gemeinschaft spielt eine viel intensivere Rolle. Meine Gruppe war die erste, die nach der Winterpause ins N´Toumi einzog. 15 junge Frauen aus der Ukraine, Ungarn, Schweden, den USA, Polen, Belgien, Deutschland und Frankreich hatten sich dazu entschlossen, für 1-6 Monate in Taizé zu leben, zu arbeiten und zu beten. Männliche Volontäre werden von den Brüdern betreut, weibliche von einem Schwesternorden, der zur Unterstützung der Brüder nach Taizé gekommen ist. Jede Freiwillige bekommt für die geistige Begleitung eine Kontaktschwester, mit der auch persönliche und organisatorische Themen besprochen werden können.
Freiwillige unterstützen den Ablauf in Taizé, begrüßen Neuankömmlinge, leiten die Abwasch- Koch- und Putzteams, bauen die Lager für den Sommer auf und sorgen bei den Gebeten für Ruhe.
Eine ganz besondere Zeit sind die Gebete drei Mal am Tag. Das Leben in Taizé steht still, alle versammeln sich in der Kirche, die je nach Gästeanzahl erweitert oder verkleinert werden kann. In der Mitte sitzen die Brüder, alle anderen ringsherum auf dem Fußboden. Vorn brennen Kerzen, es ist etwas schummrig. Es gibt eine kurze Lesung in vielen Sprachen und viele meditative Gesänge. Diese Taizégesänge sind kurz und werden mehrere Male wiederholt. In wenigen Worten wird eine tiefe Wirklichkeit ausgedrückt, die der Verstand schnell begreift und die nach und nach ins Herz dringt. Ein weiteres wichtiges Element der Gebete war für mich die Stille. Diese Stille, diese 7-10 Minuten drei Mal am Tag, waren für mich wertvolle Ruhepunkte, Zeiten des Gebets, der Ruhe, Zeiten des Ganz - bei - mir - seins. Im Alltag bleibt dafür leider immer weniger Zeit. Ich spürte, dass Stille für mich etwas unheimlich Bereicherndes hatte, und so entschloss ich mich dazu, eine Woche ins Schweigen zu gehen. Wer schweigt, wohnt in einem Extrahaus im Nachbardorf und muss nicht arbeiten. Jeden Morgen gibt es eine Bibeleinführung von einer Schwester und drei Mal am Tag läuft man nach Taizé zu den Gebeten. Vor allem in dieser Zeit verbrachte ich viele Stunden im „Garten der Stille“. Am Fuße des Hügels von Taizé gibt es diesen wunderschönen, ja heiligen Ort, mit einem kleinen See, Wiesen und Bäumen und natürlich einer kleinen Holzkapelle. Diese Schweigewoche hat mich, genau wie meine ganze Zeit in Taizé, sehr geprägt, verändert, bereichert und unendlich beschenkt.
Ich bin sehr dankbar für mein Seindürfen in Taizé, was in dieser Zeit sehr wegweisend für mich war. In einer Phase des Umbruchs, in einer Zeit, in der sich in meinem Leben viel veränderte, gab mir Taizé durch alle drei Aspekte, durch die Gemeinschaft, die Arbeit und das Gebet, die Möglichkeit zum Inne halten, zum Durchatmen und Nachdenken, was als nächstes kommen soll und kann. Täglich erfuhr ich Dankbarkeit und Wertschätzung in der Gemeinschaft, in der Arbeit und im Miteinander. Ich habe gelernt, was es heißt zu dienen, ohne devot zu sein,  sondern voller Demut und Dankbarkeit. Ich habe ganz neu erfahren, was Gebet auch sein kann, und wie unendlich wichtig Stille ist; eine Stille, die über eine Abwesenheit von Geräuschen hinaus geht.

Melanie Beyer

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