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Kirchenregion Neubrandenburg

Blick vom „Eisenbahnertor“ auf die Eisenbahnstraße

Teil 7: Die Armenhauszeit, 18./19. Jh.

Die Geschichte des Neubrandenburger Franziskanerklosters

Im 17. Jh. fristete das Armenhaus aufgrund der Stadtbrände und Kriege ein kärgliches Dasein. Der Tiefpunkt wurde erreicht, als die Stadt 1675 Konkurs anmelden musste. Infolge der zerrütteten kommunalen Finanzen, konnte man den kirchlichen und karitativen Aufgaben langfristig nicht mehr gerecht werden. Die Johanniskirche sowie die Armenhäuser verfielen zusehends. Erst mit der Bildung des Herzogtums Mecklenburg-Strelitz 1701 gewährten die neuen Landesherren den Bürgern wiederholt staatliche Hilfen, um die Notzeit zu überwinden. Aus diesen Zuwendungen wurde z. B. Holz für den Neubau des Westflügels bezogen. Nach Fertigstellung des Fachwerkgebäudes sowie Ausbaus des Nordflügels konnten um 1720 die „Neuen Armenhäuser“ bezogen werden.
Des Weiteren wurde die Johanniskirche repariert, weil bei der Orgel 1752 zwei große Steine aus dem Gewölbe gebrochen waren. Zur Stabilisierung der Kirchendecke errichteten Zimmermeister Abraham Trögern und Mauermeister Hoffmann an der Kirchennordmauer zwei große Pfeiler, die aber anscheinend nicht die nötige Stabilität lieferten. Denn 1769 registrierte eine Untersuchungskommission weitere Schäden im Kirchenschiff. Trotz dieser unbefriedigend baulichen Situation wurden die kirchlichen Angelegenheiten der ehemaligen „Kloster-Pfarre“ durch Herzog Adolf Friedrich IV. neu geregelt. In den 1760er Jahren legte er die Form des Gottesdienstes sowie die Ausstattung der Pfarrstelle fest. Außerdem stufte er die Bedeutung der Johanniskirche gegenüber der Hauptkirche Sankt Marien herab. Die damit verbundene Minderung der finanziellen Ausstattung führte zur weiteren Verschlechterung der örtlichen Zustände. Der Chronist Baron von Hacke berichtet 1783: „In der Klosterkirche wird seit 13 Jahren gar kein Gottesdienst gehalten, und sie ist ein vollkommenes Original eines Ruins, …“ Schließlich stürzte 1794 bei einem Sturm der beschädigte Dachreiter vom Kirchendach. 1803 trennte man den Chor baulich vom Kirchenschiff und richtete in ihm einen Kornspeicher ein. In der Zeit der Napoleonischen Fremdherrschaft missbrauchten die Franzosen das Kirchenschiff als Gefängnis für inhaftierte preußische Soldaten sowie den Chor als Magazin. Die Fremdnutzung des Sakralgebäudes endete 1814, am ersten Pfingsttag des Jahres feierte die Gemeinde in der notdürftig wiederhergestellten Kirche einen Gottesdienst.
Der ungenutzte Chor wurde 1864 für den Straßenbau zum neuen Bahnhof eingekürzt (Bild). Der bauliche Eingriff destabilisierte den historischen Anbau, so dass er nach 23 Jahren einstürzte. Dieses Ereignis im Verbund mit der schlechten Beschaffenheit vieler Bauwerksteile machte eine Generalsanierung des Gotteshauses unumgänglich. Die längst fälligen Instandsetzungsarbeiten setzten schließlich 1891 unter der Leitung der Fachmänner Prof. C. Schäfer und Kgl. Regierungsbaumeister H. Hartung ein. Bei der Rekonstruktion der Architektur fanden alte Bauaufnahmen und Stilelemente der märkischen Gotik Verwendung. Am 02.12.1894 wurde die Johanniskirche im Rahmen eines Gottesdienstes den Bürgen feierlich übergeben. Dank der umfassenden Sanierung strahlte die Johanniskirche um 1900 im neuen Glanz. Dagegen befanden sich das Armenhaus, speziell der alte Nordflügel, in einem schlechten Zustand. Für die Unterbringung der sozial Schwächsten gab es nur bescheidene Mittel, die für eine grundlegende Verbesserung der Lage nicht ausreichten.

Szczesiak, Roga

Bild: Blick vom „Eisenbahnertor“ auf die Eisenbahnstraße (heute die Stargarder Straße) und die Nordostseite des „alten Klosters“ (Foto: Regionalmuseum Neubrandenburg).

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