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Kirchenregion Neubrandenburg

Vorhang auf und Applaus!

Es ist zu einer langjährigen Tradition geworden, dass sich Bewohner und Mitarbeiter der Wohnstätten für Menschen mit Behinderung in Burg Stargard, Friedland und Weitin jedes Jahr zusammenfinden, um gemeinsam Theater zu spielen. Seit diesem Jahr beteiligt sich auch das Katharinenstift aus Stavenhagen. 

So treffen sich die Darsteller ab Januar alle 14 Tage und proben Szenen, lernen Texte, schneidern Kostüme, basteln Kulissen und haben natürlich Spaß miteinander, und all das für einen Auftritt vor einem „echten“ Publikum. 

Das Frühlingsfest der Behindertenhilfe ist der große Moment, auf den alles hinarbeitet. Hier wird das aufwendig einstudierte Theaterstück vor Familienangehörigen, Kollegen, Betreuern und Besuchern des Festes aufgeführt. Die Mitarbeiter sehen nicht nur den Spaß für teilnehmende Bewohner, sondern das Theaterspielen und Auftreten vor Menschen als Methode, Selbstvertrauen aufzubauen, das eigene Selbstbild positiv zu stärken oder andere Defizite zu kompensieren. 

Es ist zur Tradition geworden, dass die Theater-gruppe auch bei den Neubrandenburger Amateurtheatertagen im Schauspielhaus Neubrandenburg auftritt. Dieser Auftritt hat nochmal eine ganz andere Bedeutung für die Darsteller. Sie haben sich vorher nicht nochmal getroffen und das Stück geprobt. Nun stehen sie auf einer echten Bühne mit Licht- und Tontechnik. Die Aufregung ist groß. Aber gerade hier im großen Saal fühlen sie sich wie Stars auf einer Bühne, das Publikum muss zu ihnen hinaufschauen, Scheinwerfer strahlen sie an, verfolgen ihre Bewegungen auf der Bühne. Nichts Größeres gibt es für sie. Mit all den Vorbereitungen, die zu einem Auftritt gehören, sind die Akteure bis zu drei Stunden in höchster Konzentration und Span-nung, und trotzdem agieren sie mit einer Lockerheit, die das Herz aufgehen lässt.

Und es folgt noch ein weiterer Auftritt. Die Gruppe findet sich nämlich ein drittes Mal im Innenhof des Neubrandenburger Regionalmuseums zusammen und führt das Stück am Wochenende des Vier-Tore-Festes Neubrandenburg auf. Wieder ein ganz anderes Flair: Nähe zum Publikum, der letzte Auftritt des Jahres. Hier geben sie noch einmal alles, was in ihnen steckt. Es entstehen Dialoge, die so nie geprobt wurden, es entsteht Situationskomik, die Betreuern den Schweiß auf die Stirn treibt. Aber sie finden immer wieder ins Stück hinein. Szenenapplaus ist der größte Dank und treibt sie weiter an. So hat jeder Auftritt etwas ganz Besonderes in sich und sie sind nicht vergleichbar, jeder ist ein Erlebnis für sich.

Das Theaterspielen hat in der Behindertenhilfe eine Menge Traditionen vereint und gefestigt. Aber wie das manchmal so mit Traditionen ist, wird es irgendwann zur Selbstverständlichkeit. Und wir bedauern es, wenn Zuschauer insbesondere im Schauspielhaus ausbleiben. Wir wünschen uns noch mehr Zuschauer, denn nach nichts sehnen sich die Darsteller mehr als nach einem großen und im Anschluss applaudierenden Publikum. 

Wie schafft man es, mehr Besucher ins Theater zu lotsen? Wir, die Mitarbeiter, die jährlich das Theater begleiten, wissen keinen Rat. Die Bewohner und wir geben alles für ein schönes Stück, nun brauchen wir Hilfe und Unterstützung vom Publikum. Gemeinsam wollen wir das kulturelle Leben der Stadt gestalten. Denn wie heißt es im Showbusiness so schön? THE SHOW MUST GO ON! 

Andrea Windisch und Sebastian Gießelmann,
Heilpädagogische Wohnheime Weitin

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