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Kirchenregion Neubrandenburg

Was sonst noch in der Bibel steht

Mit dieser Ausgabe des Gemeindebriefes beginnen wir eine neue Artikelserie. Unsere Bibel ist voll von Geschichten und Gestalten, die im regulären Gottesdienst nicht auftauchen. Diese Reihe soll Lust darauf machen, auch mal in der Bibel das zu lesen, was uns vielleicht fremd oder befremdlich ist, was aber dennoch zum Schatz unserer Überlieferung gehört.

Anfangen möchte ich diese Reihe mit einer nicht ganz unbekannten Gestalt des Alten Testaments, mit meinem Namenspatron Samson aus dem Richterbuch. (Ri. 13-16). Im Gottesdienst taucht er nicht auf, aber die Geschichten um ihn herum haben die große Oper („Samson et Dalila“ von Camille Saint-Saens) und Hollywood inspiriert (1949 als biblischen Monumentalfilm und als Neuverfilmung 2018).

Es ist eine tragische Geschichte, die sich für großes Kino oder für die große Oper eignet, eine Geschichte voller Liebe, Leidenschaft, Geheimnis, Vertrauen, Verrat und Rache. Der Name Samson kommt vom hebräischen „Schimschon“ und bedeutet „kleine Sonne“. In den meisten Übersetzungen finden wir die Namensvariante Simson, nur in der lateinischen Übersetzung des Mittelalters und in Oper und Film heißt er Samson . Der Name bezieht sich auf ihn selbst. Wie die Sonne umgeben ist von ihren Strahlen, so ist das Haupt von Samson umgeben von seinen Haaren (anders als bei mir...) und in diesen Haaren steckt seine außergewöhnliche Kraft.

Schon die Geburtsgeschichte um Samson ist die Geschichte eines besonderen, von Gott erwählten Helden. Unfruchtbarkeit, ein Verkündigungsengel und die Verkündigung begegnen uns auch an anderer Stelle der Bibel. Zur Verkündigung gehört hier der Auftrag an die Mutter, sein Haar nicht zu scheren. Er wuchs auf in der Zeit der Auseinandersetzungen Israels mit den Philistern. Auf dem Weg zur seiner Hochzeit greift ihn ein Löwe an, aber der Geist des Herrn kommt über ihn und er zerreißt den Löwen wie ein Böcklein. Seine erste Frau verrät das Rätsel, das er den Hochzeitsgästen gestellt hat, und dies Motiv wird uns in der Geschichte weiter begegnen. Seine philistäische Frau wird ihrem Brautführer gegeben und nun folgen Auseinandersetzungen mit den Philistern. Mit einem Eselskinnbacken erschlägt er tausend Philister und in Gaza ergreift er die beiden Torflügel der Stadt, als man ihn fangen will, und trägt sie auf den Berg Hebron. Durch seine Kraft ist er unbezwingbar. Er verliebt sich in ein Mädchen namens Delila, das auch zu den Philistern gehört. Sie wird von ihren Landsleuten bedrängt, Samson das Geheimnis seiner Kraft zu entlocken. Ihr werden dafür 1100 Silberstücke geboten. Dreimal täuscht Samson sie und erzählt eine falsche Geschichte, drei Mal schlagen die Versuche, ihn zu fangen, fehl. Aber welcher Mann kann dem ständigen Drängen einer Frau widerstehen? Nun verrät Samson ihr, die Kraft liege in seinen Haaren. Und nachdem man ihm diese während seines Schlafes abgeschnitten hat, können die Philister ihn leicht fangen, denn mit den Haaren war Gottes Kraft von ihm gewichen. Man legte ihn in Gaza in Ketten, stach ihm die Augen aus, und er musste die Mühle drehen im Gefängnis. Die Philister wollten nach einiger Zeit den Sieg über ihren Feind entsprechend feiern. Man holte Samson, dem inzwischen das Haar nachgewachsen war, dazu, um sich über ihn lustig zu machen. Der ließ sich von dem Jungen, der ihn führte, an die beiden tragenden Säulen des Tempels führen, stemmte sich gegen sie und brachte damit den ganzen Tempel zum Einsturz, und so tötete er nicht nur sich selbst sondern auch mehr Philister als in seinem ganzen Leben.

Der Hintergrund dieser Geschichte ist die Auseinandersetzung mit den Philistern unter denen Israel in der Richterzeit, der Zeit vor dem Königtum, lange zu leiden hatte. Man brauchte starke Helden und Geschichten, die einen motivierten, den Kampf gegen Bedrohung durch die Feinde nicht aufzugeben. Später wird der kleine David den großen Philister Goliath besiegen. Diese Geschichten begründeten die israelitische Identität.
Auf manchen mittelalterlichen Altären findet sich die Darstellung, wie Samson die Stadttore von Gaza trägt, so zum Beispiel in Bad Doberan auf dem Kreuzalter von 1360/70.

Ralf von Samson

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