MENU NEWS


Kirchenregion Neubrandenburg

„Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“

„Wie kann ich dir je wieder vertrauen?“ – fragt der Ehemann nach einem Seitensprung seine Ehefrau. Ich höre diese Frage ebenso von Eltern, deren Kind jegliche Grenzen überschritten hat, von der Freundin, die belogen, vom Arbeitgeber, der bestohlen worden ist. „Wie kann ich dir je wieder vertrauen?“ - Diese Frage gehört zu unseren zwischenmenschlichen Beziehungen, die immer wieder belastet werden, weil wir Menschen Fehler machen und uns in Schuld verstricken.
„Wie kann ich dir je wieder vertrauen?“ - Diese Frage enthält die Sehnsucht danach, dass die Beziehung wieder in Ordnung kommt, dass Vertrauen wieder wächst trotz der Fehler, dass es gut weitergehen kann miteinander.
Von Urzeiten an bewegt den religiösen Menschen die Frage: Wie kann das Verhältnis zwischen Mensch und Gott, das durch Sünden des Menschen belastet worden ist, wieder in Ordnung kommen? Was muss geschehen, dass Gott gnädig zu mir ist? Das sind die Fragen der so genannten Rechtfertigungslehre.
„Wie bekomme ich einen gnädigen Gott? Wie werde ich vor Gott gerecht?“ – diese Frage beschäftigte Martin Luther lange Zeit. Für ihn war sie eine sehr persönliche und existentielle Frage. Er stellte sie aus Angst, vor Gott im Jüngsten Gericht nicht bestehen zu können – und von ihm zur ewigen Verdammnis verurteilt zu werden. Aus Angst, dass alle seine guten Werke, seine Selbstkasteiungen, ja selbst sein Leben als Mönch nicht ausreichen würden, um Gott gnädig zu stimmen.
Martin Luther teilte damit die Angst vieler Menschen der damaligen Zeit. Viele Predigten schürten die Angst vor der ewigen Verdammnis. Der Ablasshandel der Kirche blühte. Schließlich wurde den Menschen versprochen, dass durch den Kauf eines Ablassbriefes den verstorbenen Angehörigen aus der Hölle geholfen sowie das eigene Leben vor der Hölle gerettet werden könne. Martin Luther war jedoch zutiefst davon überzeugt, dass Gott sich nicht durch ein paar Münzen bestechen lässt.
Er studierte die Bibel, Wort für Wort. Las, was für eine frohe Botschaft sie enthielt, und entdeckte Worte in ihr, die ihn erkennen ließen, auf welche Weise er selbst – und der Mensch an sich – einen gnädigen Gott bekommen kann: Allein aus Gnade und allein aus Glauben wird der Mensch vor Gott gerecht, also freigesprochen, wird befreit von der eigenen Schuld.
„So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.“ (Römerbrief 3, 28)
Für Luther war diese Entdeckung lebensrettend und lebensweisend. Gott schenkt seine Gnade – nicht, weil der Mensch ihn gnädig stimmen kann, nicht, weil der Mensch versucht, gute Werke zu tun, nicht, weil er von seinem mageren Gehalt Ablässe kauft, sondern weil Gott von sich aus gnädig ist. Nicht nur einem bestimmten Personenkreis, sondern jedem Menschen.
Zum anderen erkannte Luther, dass der Mensch dieses Angebot ergreifen muss, damit es im eigenen Leben verändernd wirken kann. Mit der Botschaft von Gottes Liebe kann der Mensch seine Angst vor Hölle und Verdammnis getrost vergessen und das eigene Leben in Liebe zu sich selbst, in Liebe zu seinem Nächsten und zu Gott gestalten. Dann werden „gute Werke“ folgen. Diese sind also nicht Voraussetzung für die Gnade Gottes, sondern die Konsequenz seiner Gnadenzusage an den Menschen.
An der Frage der Rechtfertigung zerbrach die katholische Kirche und die evangelische Kirche entstand.
Fast 500 Jahre, am 31. Oktober 1999, unterschrieben der Lutherische Weltbund und die Katholische Kirche die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre, in der sie sich auf ein gemeinsames Verständnis der Rechtfertigung allein aus Gnade berufen.
Wer diesem Thema und anderen Phänomenen der Reformation nachgehen möchte, ist herzlich eingeladen zur unseren vielen verschiedenen Veranstaltungen im Jubiläumsjahr 2017:

• Sonntag, 5. März, 10 Uhr, St. Johannis - „Gott, sei mir Sünder gnädig“; Gottesdienst zum Thema „Rechtfertigung“
• Donnerstag, 16. März, 19 Uhr, St. Johannis - Deftig – Nahrhaft – Gnade; Ein kulinarischer-literarischer Abend mit den Tischreden Martin Luthers.
Bitte anmelden! Bei Pastorin Jonassen
Kosten: 9,- € pro Person 

• Sonntag, 26. März, 10 Uhr, St. Johannis - „Der falsche Ritter“; s.S. 10
• Dienstag, 4. April, 19 Uhr, St. Johannis - Darf ich zur Kommunion gehen?; Gesprächsabend über Abendmahl – Einladung - Ausladung
• Ostermontag, 17. April, 18 Uhr, St. Johannis - Bachkantate zum Mitsingen und Kantatengottesdienst
• Donnerstag, 18. Mai, 19 Uhr, St. Josef und St. Lukas - Luther und die Juden; Antisemitismus in unseren Kirchen; Vortrag und Gespräch mit Fritz Rabe.

Christina Jonassen