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Kirchenregion Neubrandenburg

Kirche Wulkenzin

Friedrich Wilhelm Buttel

Wer auf Wulkenzin von Westen aus zufährt, sieht das pyramidenförmige Dach der Kirche, ein frühes Werk Friedrich Wilhelm Buttels, der 40 Jahre als Landesbaumeister im Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz wirkte. Von Karl Friedrich Schinkel auf die Stelle empfohlen setzte er sich gegen mehrere Mitbewerber durch und schuf mit Belvedere am Westufer des Tollensesees einen frühen Bau. Freilich hat dieser Tempel Umbauten erfahren (1938), die nur noch erahnen lassen, wie das Buttelsche Konzept einst aussah. Vor 200 Jahren legte Buttel 1819 eine Prüfung als Baukonstrukteur ab und wirkte in Berlin, bevor er die Stelle in Neustrelitz als 24-Jähriger Baumeister antrat. Er war in Neubrandenburg beteiligt an umfassenden Rekonstruktionsarbeiten an den Stadttoren und der Marienkirche. Aber auch im Umfeld Neubrandenburgs lesen wir seine Handschrift etwa an der Kirchen in Ihlenfeld oder in Wulkenzin (1830). Wenn wir mit wachen Augen durch Neubrandenburg gehen, finden wir dann noch die 1864 am östlichen Stadtrand errichtete St. Thomas Kirche. Aus Berlin brachte Friedrich Wilhelm Buttel Erfahrungen mit, die ihn mit dem Verbund verschiedener Baustoffe, wie Sandstein und Backstein, experimentieren ließen. Freilich fällt auf, dass die schlank aufragenden Türme immer den Himmel in den Blick nehmen. Sie sind mit ihren Bekrönungen wie Fingerzeige, die sich auch im Inneren des Raumes und seiner Durchlichtung wiederfinden. Dann aber auch ganz profan, gilt Buttel als Erfinder der Dachpappe. 

Betrachten wir näher die Kirche in Wulkenzin: Im sommerlichen Abendlicht staunt man, welches Farbspiel der Fenster sich bietet, denn Buttel hat die Kirchbauten mit dem Turm nach Osten ausgerichtet. Der Altar erscheint so an manchem Sommerabend im Abendlicht der Sonne. Der rote Backstein, noch in den frühen Jahren dominierend, wird später abgelöst von der Vorliebe für den viel helleren gelblichen Backstein. Imposantes Beispiel dafür ist die Kirche in Fürstenberg, die Buttel auch wieder mit dem Altar nach Westen ausrichtete.

Wer bei einem Rundgang durch Neustrelitz die Residenzstadt architekturgeschichtlich betrachtet, findet immer wieder die Formsprache des Schinkelschülers Buttel. Schaut man von der Orangerie im Schlosspark zur Schlosskirche und dann entgegengesetzt in Richtung Hafen, kann man sogar die Materialwege der Bauwerke erahnen. Denn der gelbe Ziegel landete am Hafen an, und auch der Kornspeicher am Hafen und die Hafenerweiterung tragen Buttels Handschrift. Der Zierker See, durch den Kammerkanal angeschlossen an die Havelseen, bietet dann den Wasserweg nach Berlin, und selbst die Zierker Dorfkirche (1864) ist 5 Jahre vor seinem Tod noch einmal ein Beispiel, mit welcher Meisterschaft jenseits der Hauptwerke Buttel bis ins Alter innovativ blieb. 

Bernhard Hecker 

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