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Kirchenregion Neubrandenburg

Winter 2018/19

Suche Frieden und jage ihm nach!
Psalm 34,15

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
ich lebe in der längsten Friedensperiode, die die Menschen in Deutschland jemals erlebt haben. Das empfinde ich als großes Glück. Dreiundsiebzig Jahre sind seit dem Ende der Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs in Europa vergangen. Achtundzwanzig Jahre seit dem Ende des „Kalten Krieges“ mit seiner andauernden Angst vor einem dritten Weltkrieg, der die Welt durch den Einsatz von Nuklearwaffen vernichten würde. Die Älteren unter Ihnen haben als Kinder noch die letzten Tage des Krieges miterlebt: die Unsicherheit auf den Straßen, die Verzweiflung der Menschen, den Hunger, die Toten. Sie können unmittelbar nachvollziehen, was es für die Menschen bedeutet, wenn in den Nachrichten vom Krieg in Syrien, im Jemen, in der Ukraine, in Afghanistan geredet wird. Viele können von der eigenen Flucht erzählen und sie können gut nachempfinden, wie sich die fast siebzig Millionen Menschen fühlen, die gegenwärtig weltweit auf der Flucht sind. Ein verschwindend geringer Bruchteil von ihnen hat sich in den vergangenen Jahren nach Europa aufgemacht.

Es ist wichtig, dass wir uns immer wieder die Geschichten der Menschen auf der Flucht erzählen lassen. Es ist wichtig, dass in den Familien die Erinnerung bewahrt wird, wie sehr die Großeltern und Urgroßeltern unter dem Krieg gelitten haben. Einmal damit wir selbst begreifen, dass wir alles tun müssen, was in unserer Macht steht, um immer wieder neu den Frieden zu erhalten. Damit wir begreifen, warum wir  eine scharfe Kontrolle der Rüstungsausfuhren brauchen. Damit junge Menschen begreifen, dass Krieg kein adrenalingesteuertes Computerspiel ist, sondern ei-ne Tragödie.
Gegenwärtig stellen die Vereinigten Staaten und Russland die Abrüstungsabkommen über Mittel-streckenraketen in Frage. Wir haben gehört, dass deutsche Rüstungsfirmen ihre Waffen über Umwege in Krisengebiete verkaufen und so am Tod von Kindern und am Elend von Millionen von Menschen mitverdienen. Wir erleben, wie schwierig es ist, auf der internationalen Bühne Menschen davon abzu-bringen, sich gegenseitig den Schädel einzuschla-gen. Immer wieder höre ich den Seufzer: „Die Menschen lernen ja doch nicht dazu!“ Tiefe bittere Resignation spricht aus diesem Satz.

Die Jahreslosung 2019 fordert uns Menschen des Glaubens heraus: Suche den Frieden und jage ihm nach! Tut alles, was möglich ist, damit Frieden wird. Stellt euch der Resignation entgegen, die sagt: „Man kann nichts ändern.“
Denn jede Frau und jeder Mann kann etwas zum Frieden beitragen. Jede und jeder steht an ihrem und seinem Platz in der Welt und hat Mitmenschen, für die er und sie Verantwortung übernehmen kann. Gottes Volk ist groß und weit verteilt in der Welt. Jedes Kind Gottes kann zu einem Friedensstifter werden: Die einen arbeiten als Diplomaten in den internationalen Beziehungen. Die anderen vermitteln zwischen den Menschen in ihrer Nachbarschaft. Ich kann mich dafür engagieren, dass nach einem Streit Wege zur Versöhnung gefunden werden. Ich kann mich dafür einsetzen, dass Freude an den Begabungen meiner Mitmenschen wächst statt Neid und Konkurrenzdenken. Ich kann dafür sorgen, dass ich selbst mit Menschen rede, statt mich stumm über sie zu ärgern.
In der Weihnachtsnacht von Bethlehem haben die Engel gesungen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens! Lassen Sie uns immer wieder darauf vertrauen, dass mit Gottes Hilfe unsere Bemühungen um Frieden Frucht tragen – ob in der Familie oder in der Welt.

Pastor Martin Doß

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