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Kirchenregion Neubrandenburg

„Macht, was Ihr wollt, aber lasst Euch nicht erwischen!“ (Nordkurier vom 27.4.15, S.1)
Diese Lebensweisheit gab der Schauspieler Ben Becker schmunzelnd den Teilnehmern einer Jugendweihefeier in Berlin mit auf den Weg.

Die Zehn Gebote Du sollst nicht stehlen (2. Mose 20, 15)

Beckers Bemerkung macht auf witzige Weise deutlich, was wir fast täglich in unserem Land erleben: - Wenn millionenfach in Bahnen oberhalb und unterhalb der Erde „schwarzgefahren“ wird; - wenn Ladendiebstahl für viele als sportliche Herausforderung gilt; - wenn Sprayer öffentliche und private Eigentümer jährlich ein Vermögen kosten; - wenn Steuerhinterziehung zumindest im Kleinen als Kavaliersdelikt und ganz normal gilt; - wenn fast jeder mit Schwarzarbeit im persönlichen Umfeld völlig entspannt umgeht…
Ach – wie grässlich moralin allein schon solche Hinweise klingen; wie wenig modern und zeitgemäß und chic es wirkt, auf solche Art die Mitbürger zu behelligen; und: Wie riskant wohl auch, denn ist der Verfasser seinerseits 100% lupenrein, wenn er sich mit solchen Bemerkungen an die Öffentlichkeit traut?
Das 7. (8.) der Zehn Gebote (2. Mose 20,15) ist so kurz wie eindeutig: „Nicht (wirst) du rauben/ stehlen/ täuschen“
Mit dem verneinten Wortstamm „gnw“ (wir kennen im Deutschen das jiddisch beeinflusste GANOVE) werden die Israeliten des AT auf eine Leitlinie ihres religiösen Alltagslebens verpflichtet: Wer den Jahwe – Befreier – Gott als seinen Gott anerkennt und seine ausschließliche Gottheit akzeptiert, der kann und der wird in seiner Existenz auf (Menschenraub – darum ging es ursprünglich) Stehlen und Täuschen verzichten. Martin Luther sagt es im „Kleinen Katechismus“ so: …Der wird des „Nächsten Geld und Gut nicht nehmen“…; der wird „den Geiz, die Sorge und alle Untreue“ meiden…; der wird nicht „durch Betrug und List in Handel und Wandel“ Vorteil suchen und der wird „dem Nächsten mit Überpreis und Wucher“ keinen Schaden tun.
Zugegeben- gerade auch bei diesem Gebot sind die Grenzen zwischen Richtig und Falsch gelegentlich ja scheinbar fließend – unvergesslich sind mir die täglichen Schubkarren voll mit LPG- Rindersilage, die in der privaten Schweine – oder Bullenhaltung landeten: „Ist doch Volkseigentum!“, hieß es augenzwinkernd. Und notgedrungen(?!) wurde im Betrieb „organisiert“, was in der BHG nicht zu ergattern war…
Allerdings: „Geiz…, Sorge…, Untreue“, die Luther mit dem 7.(8.) Gebot verboten sieht, bedrohen uns auch heute: Da möchten wir zugleich gut Essen und Trinken, und Bad oder Küche renovieren und fix mal noch günstig Urlaub machen…; da besorgen uns Krise und Geldentwertung, vom Notgroschen in der Bettritze erfahren Finanz – oder Arbeitsamt deshalb lieber nichts…; und da fühlt sich für viele solches „untreue“ Verhalten längst nicht mehr ehr – oder gewissenlos an…
O wei!! Das alles klingt total nach moralischem Zeigefinger und mancher denkt: „Sollen sich da doch zuerst die Politiker, die Großen, die Reichen dran halten!!“ Und wirklich: Es wäre schön, wenn auch all die anderen das Richtige und Gute täten. Ja, manchmal stehe ich mit meinem Gewissen als Christ ganz schön dumm und ganz schön verlassen da – doch zum Glück nicht von dem, der uns verspricht und garantiert: Ich bin der Herr, dein Gott!

Christian Finkenstein

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